BURKINI FÜR SCHÜLERINNEN

Samstag, 10. April 2010 22:00


An Schweizer Schulen dürfen Musliminnen verhüllt in den Schwimmunterricht. Auch SVP-Erziehungsdirektoren winken den Burkini durch – zum Ärger des Fraktionspräsidenten der SVP Schweiz.

VON NADJA PASTEGA

Strenggläubige Musliminnen dürfen nicht im knappen Badekleid schwimmen. Der Kanton Aargau hat schon reagiert: Jetzt dürfen Schülerinnen im Burkini ins Schwimmbad.

«Der Burkini im Schwimmunterricht ist zulässig», sagt der Aargauer SVP-Erziehungsdirektor Alex Hürzeler gegenüber dem «Sonntag». Wörtlich heisst es in den Leitlinien von Hürzelers Departement: «Den Schülern und Schülerinnen soll die Möglichkeit eingeräumt werden, ihren Körper zu bedecken.» Mit der Schwimmbecken-Burka will Hürzeler Dispensationen vom Sportunterricht vermeiden.

Ja zum Burkini sagt auch die Thurgauer SVP-Erziehungsdirektorin Monika Knill: «Falls Eltern das wünschen, sollte im Schwimmunterricht den Mädchen das Tragen eines Burkini ermöglicht werden.» So steht es auch in den Richtlinien ihres Departements: «Die Schulen sollen muslimischen Kindern die Möglichkeit einräumen, einen Ganzkörperanzug zu tragen.»

Der «Burkini»-Kniefall» ärgert die Parteispitze der SVP Schweiz: «Keine Sonderregelung», fordert Fraktionspräsident Caspar Baader. Die Neopren-Burka mit integrierter Kopfbedeckung habe an Schweizer Schulen nichts verloren. «Wir sind hier nicht in der Türkei und nicht in Iran. Wer bei uns lebt, muss sich integrieren, das heisst: ganz normal am Schwimmunterricht teilnehmen.»

Konsterniert reagieren auch die SVP-Frauen des Kantons Aargau: «Ich frage mich, ob diese Mädchen selber bestimmen können, ob sie den Burkini im Schwimmunterricht tragen wollen», sagt Präsidentin Milly Stöckli, Die islamische Kleiderordnung trage nichts zur Integration bei. Stöckli: «Sonderwünsche sind daher nicht tolerierbar.»

Kritik kommt auch von den CVP-Frauen Schweiz: «Es ist problematisch, wenn sich schon neunjährige Mädchen verhüllen müssen», sagt Präsidentin Babette Sigg: «Muslimische Mädchen sind im Islam Menschen zweiter Klasse. Das verträgt sich nicht mit unserer Verfassung.»

Doch gleich mehrere Kantone bewilligen den Burkini. Als einer der ersten Kantone hat Basel-Stadt entsprechende Richtlinien aufgestellt. Baselland, Zürich, Luzern und Solothurn sind gefolgt. Inzwischen wird der Burkini an vielen Schweizer Schulen breitflächig durchgewinkt.

Und bereits ist klar: Die Burka-Badehose ist nicht die einzige Islam-Sonderregelung. Da Nacktheit vor dem anderen und vor dem eigenen Geschlecht verpönt sei, verlangen die Richtlinien der Thurgauer SVP-Erziehungsdirektorin Knill, dass muslimische Kinder «sich allein umziehen und duschen» können.

Das Departement des Aargauer Erziehungsdirektors Hürzeler wird konkret: Die Schulen sollen «separate Duschen mit Vorhang oder Tür» anbieten, heisst es in den 17-seitigen Richtlinien. Wahlweise könne die Möglichkeit geschaffen werden, dass die Schüler «zeitlich gestaffelt» duschen. Und der Aargau geht sogar noch weiter: Während des Ramadan soll ein abgespeckter Turnunterricht ohne besonders anstrengende körperliche Betätigung durchgeführt werden – aus Rücksicht auf Schüler, die fasten.

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