Ausgabe vom Dienstag, 24. Mai 2016

Gripen adé? Deutschland bietet der Schweiz 33 Occasions-Jets an


Bern/Berlin. Mitten in die entscheidende Phase der Beschaffung eines Kampfjets kommt jetzt ein neues Angebot aus Deutschland. Gemäss Recherchen der Zeitung «Der Sonntag» hält der Hersteller EADS eine neue Offerte bereit: Die Schweiz soll 33 Occasions-Eurofighter kaufen können – für ungefähr jene 3,2 Milliarden Franken, welche die 22 Flieger des noch nicht gebauten Kampfjets Gripen E/F kosten. Der Gripen ist der Favorit von Verteidigungsminister Ueli Maurer. Die Occasions-Jets kommen aus den Beständen der deutschen Luftwaffe und sind offenbar in hervorragendem Zustand. Es geht laut „Sonntag“ um den Eurofighter der Tranche eins, der seit 2003 hergestellt wird und in fünf Ländern im Einsatz ist. Es ist jener Eurofighter, der 2008 in Emmen LU die Testflüge von Armasuisse bestritt. Gemäss Bericht der Subkommission der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK) erreichte er die Truppentauglichkeit «vorbehaltlos» – im Gegensatz zum schwedischen Gripen E/F. Die Offerte der EADS ist flexibel gestaltet. Entsprechend ihren Bedürfnissen könnte die Schweiz in einer ersten Phase 33 oder 22 Occasions-Eurofighter kaufen. Bis zu 33 Stück kosten rund 3,2 Milliarden Franken. Für 22 Eurofighter wären es rechnerisch rund 2,2 Milliarden. Mit diesem Paket würden die 54 Tiger F-5 ersetzt. Danach könnte die Schweiz die 33 F/A-18 mit neuen Eurofightern der Tranche drei ablösen. Denn gemäss dem Gripen-Bericht stellt sich auch die Frage der der Ablösung des F/A-18. Konfrontiert mit diesen Recherchen heisst es beim Konzern: «EADS ist jederzeit in der Lage, solche Angebote im Budgetrahmen der Schweiz zu machen.» Die Deutschen reagieren gemäss dem „Sonntag“ mit ihrer Offerte auf den Bericht, wonach für das VBS die Kostenfrage entscheidend sei. Während der Evaluation hatten Occasionsflugzeuge keine Rolle gespielt. Ihr Angebot will die EADS gemäss Insidern vorläufig nicht offiziell unterbreiten – weil die Schweiz zurzeit mit Schweden verhandelt. Die Politik müsste sie dazu auffordern.



Einwanderung: Die Schweiz hat Platz für 10,1 Millionen Einwohner

BERN. In diesen Tagen überschreitet die Schweiz die Grenze von 8 Millionen Einwohnern. Nun sagt Maria Lezzi, Direktorin des Bundesamts für Raumplanung (ARE), im „Sonntag“, wie es um den Platz in der Schweiz steht: Es gebe heute Baulandreserven für 1,4 bis 2,1 Millionen zusätzliche Einwohner. «Für diese Flächen braucht es keine Einzonungen, keine Entscheide einer Gemeindeversammlung und keine Genehmigung durch den Kanton mehr», sagt sie im Interview mit der Zeitung „Der Sonntag“. Aus Sicht des Bundes seien Kurskorrekturen in der Raumplanung nun «dringend nötig». Es gehe darum, die Standortvorteile und Qualitätsmerkmale der Schweiz zu wahren. Setze sich das Siedlungswachstum ungebremst fort, verkämen weite Teile der Schweiz zu einem gesichtslosen Siedlungsbrei, sagt Lezzi: «Dies beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität, sondern auch handfeste wirtschaftliche Interessen, etwa im Tourismus.» Neben den Kantonen habe auch der Bund in der Raumplanung Fehler gemacht, räumt Lezzi ein. Sie setzt nun auf das neue Raumplanungsgesetz, das vor der Sommerpause vom Parlament verabschiedet wurde. Damit erhält der Bund die Möglichkeit, Kantone zu sanktionieren, die zu wenig gegen ungebremstes Wachstum tun. «Ziel ist es, die Zersiedlung zu bremsen.»



Nach tödlichem Schüler-Unfall: Elternverband fordert Schulreise-Gesetz

Baden. Ein 14-jähriger Schüler ist am Montag auf einem Schulausflug in der Reuss bei Bremgarten AG verschwunden. Jetzt fordern Elternvereinigungen gemäss „Sonntag“ verbindliche Regeln für Lehrpersonen zu Klassenfahrten und Wasseraktivitäten. Die bisher geltenden Empfehlungen von der Beratungsstelle für Unfallverhütung oder der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft sollen verbindlich werden. «Empfehlungen sind zu schwach. Vernünftige Regelungen wären wichtig, damit die Lehrer mehr Sicherheit haben», sagt Heinz Bäbler von der Deutschschweizer Elternvereinigung «Schule und Elternhaus» gegenüber der Zeitung „Der Sonntag“. So müsste künftig eine Klasse von 24 Schülern von mindestens drei Aufsichtspersonen begleitet werden. Die Lehrer begrüssen solche Richtlinien, obwohl dies deren Handlungsspielraum stark einschränken und einen grossen Organisationsaufwand bedeuten würde. «Viele Lehrerinnen und Lehrer sind verunsichert und vermeiden sogar Ausflüge und Aktivitäten im Wasser. Deshalb machen klare Regelungen Sinn», sagt Niklaus Stöckli, Präsident des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands.



Asyl: Bund zahlt rekordhohe Rückkehrhilfe – fast 6000 Franken für jeden Nigerianer

Bern. Die Schweiz kann den Ansturm der Asylsuchenden kaum stemmen. Deshalb erhalten nicht straffällige Asylbewerber Geld vom Bund, wenn sie freiwillig in ihre Heimat zurückkehren – in Rekordhöhe wie die Zeitung «Der Sonntag» berichtet. Das zeigen neue Zahlen des Bundesamts für Migration (BFM). Im ersten Halbjahr 2012 verliessen 2054 Asylbewerber freiwillig die Schweiz. Damit ist man nach sechs Monaten fast auf dem Niveau des gesamten Vorjahrs. 2011 waren es insgesamt 2771. Der Bund zahlte damals über 4 Millionen Franken an heimreisende Flüchtlinge aus. Nun sind es bereits knapp 3 Millionen. Doch nicht alle ausgereisten Asylbewerber bekommen gleich viel Rückkehrhilfe. Je nach Herkunftsland unterscheidet sich die Unterstützung deutlich. Am meisten erhalten die Nigerianer, im Durchschnitt fast 6000 Franken. Es folgen die Iraker (5257) und Asylbewerber aus Sri Lanka (3366). Hingegen sind es bei den Mazedoniern und Serben nur zwischen 100 und 200 Franken pro Person. Michael Glauser, Sprecher des BFM, bestätigt, dass ein Missbrauchspotenzial vorhanden ist. Deshalb achte der Bund gemeinsam mit Botschaft und NGOs vor Ort darauf, dass die finanzielle Unterstützung auch in die dafür vorgesehenen Projekte fliesst. Darunter fallen zum Beispiel die Viehzucht, der Start eines Taxiunternehmens oder eines Internetkaffees im Heimatland.



US-Steuerstreit: Bundesrat will von Widmer-Schlumpf Verbesserungen

Bern. Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf erlitt am Mittwoch im Bundesrat eine Abfuhr. Sie muss ihre Antworten zu drei parlamentarischen Vorstössen überarbeiten, bei denen es um die Tausenden von Mitarbeiternamen geht, welche die Banken mit bundesrätlicher Erlaubnis an die USA geliefert haben. In einem Mail an die Parlamentarier, das der Zeitung «Der Sonntag« vorliegt, schreiben die Parlamentsdienste, dass die Vorstösse «noch gemäss Mitberichtsverfahren und Beratung korrigiert werden». Offenbar kamen die Änderungswünsche aus Simonetta Sommarugas Justizdepartements. Bei den drei Vorstössen handelt es sich um je eine Interpellation von SP-Ständerätin Anita Fetz (BS) und der SVP-Fraktion sowie um eine Anfrage von SP-Nationalrat Jean Christophe Schwaab (VD). Die Politiker wollen wissen, wieso der Bundesrat eine Kehrwende vollzog und den Banken erlaubte, unverschlüsselte Daten zu schicken. Und: Welche Garantien sich der Bundesrat zum Schutz der Mitarbeiter herausbedungen hat. Nach Informationen der Zeitung «Der Sonntag» waren die von Widmer-Schlumpf vorbereiteten Antworten eher dürftig. «Ich hoffe auf eine substanzielle Antwort», sagt Fetz. «Falls der Bundesrat den Banken tatsächlich keine Auflagen für den Freipass zur Datenlieferung gestellt hat, dann hat er aus den jüngsten Erfahrungen mit Finanzinstituten wirklich nichts gelernt», sagt Fetz. «Manchmal frage ich mich, ob wir eigentlich noch in einem Rechts- oder einem Bankenstaat leben?»


Steuergelder für Zeitungsartikel: Bund zahlt Journalisten für PR-Artikel

BERN Seit Jahren rüstet der Bund seine Kommunikationsabteilung auf – mit jährlich mehr Mediensprechern, mehr Medienmitteilungen, mehr Medienkonferenzen. Nun geht man in Bern noch einen Schritt weiter, berichtet die Zeitung «Der Sonntag». Das Bundesamt für Energie (BFE) sucht per Ausschreibung einen unabhängigen Journalisten, der sehr gute Kontakte zu Herausgebern von Fachzeitschriften im Energiebereich, Redaktionen, Bloggern und Hochschulen hat. Ziel ist es, 22 Artikel über die Leistungen des BFE in mehreren Publikationen unterzubringen. Die Krux: Der Autor darf unter seinem Namen publizieren, muss aber – wie es deutlich heisst – die Themen «in Absprache mit den BFE-Programmverantwortlichen» auswählen. Das ist heikel, sagt Peter Studer, ehemaliger Präsident des Presserats. «Für die Glaubwürdigkeit von Journalisten und Redaktionen ist Transparenz eine wesentliche Voraussetzung.» Eine entsprechende Eigenetikettierung müsste auch von den Auftragnehmern des BFE erwartet werden. «Das Publikum weiss dann, dass der Text in einer positiven Grundhaltung gegenüber dem BFE verfasst ist und kritische Aspekte nicht zu erwarten sind», sagt Studer. Das will das BFE auch tun, wie Sprecher Philipp Schwander bekräftigt. «Wir werden in geeigneter Form kennzeichnen, dass wir hinter einer Publikation stehen», sagt BFE-Sprecher Philipp Schwander. Studer bleibt aber skeptisch: «Weshalb stellt das BFE nicht einfach einen Teilzeitjournalisten an, der den Qualifikationen entspricht und Texte im Namen des BFE anbietet? Soll der Eindruck gefördert werden, es handle sich um unabhängige Wissenschaftsjournalisten?»



„ORGAN-JÄGER“ FÜR SCHWEIZER SPITÄLER


BERN. Weil es zu wenig Organspenden gibt, stirbt in der Schweiz jeden dritten Tag ein Mensch. Eine Studie der Universität Bern kommt jetzt laut der Zeitung „Der Sonntag“ zum Schluss, dass mit der Anstellung von «Spendenmanagern», die in Spitälern gezielt nach Organspendern suchen, eine Verdoppelung der Spenden möglich wäre. Der nationale Ausschuss für Organspenden will nun bei den Gesundheitsbehörden vorstellig werden. Diese sollen in ihren Spitälern Spendenmanager einstellen. Würde die Schweiz, wie etwa in Spanien üblich, bezahlte Spendemanager in den Spitälern einsetzen, hätte dies laut Swisstransplant CEO Franz F. Immer eine Verdoppelung der Organspenden zur Folge. In der Romandie und dem Tessin besteht dieses System bereits. in der Deutschschweiz ist der bezahlte Organ-Jäger, ausser im Kanton Zürich, inexistent. Dies weil die Gesundheitsdirektoren der Organspende indifferent gegenüberstehen, wie die Studie laut „Sonntag“ kritisiert. Diese wurde von der Uni Bern im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit BAG erstellt. Der Bericht bemängelt zudem, dass die Kantone ihrer Vollzugspflicht gemäss Transplantationsgesetz in finanzieller und logistischer Hinsicht nicht genügend nachkommen.



Zu teuer: Easyjet-Chefin kritisiert Flughafen Zürich

LONDON LUTON / ZÜRICH. Carolyn McCall, Chefin der englischen Billigairline Easyjet, übt in einem Interview mit der Zeitung „Der Sonntag“ harte Kritik mit dem Flughafen Zürich. „Der Flughafen Zürich muss endlich seine Einstellung ändern, vorher können wir nicht investieren“, sagt die Britin. „Zürich ist viel zu teuer. Wir möchten nicht für Dinge bezahlen, die wir nicht benutzen.“ McCall nennt unter anderem die Gepäckbänder, da nur ein kleiner Teil ihrer Passagiere Gepäck aufgeben würden. Und: „Wir möchten nicht für teure Fingerdocks bezahlen. Unsere Kunden stört es nicht, über das Flugfeld zum Flugzeug zu laufen.“ Und sie wolle keine Unmengen für Check-in-Schalter bezahlen, die es sowieso bald nicht mehr brauchen würde. „Wir schätzen einen gut funktionierenden Flughafen, aber wir brauchen kein Museum. Zürich will ein Premium-Airport sein, aber damit locken sie uns nicht an“, sagt McCall im „Sonntag“. Heute fliegt Easyjet Zürich von London Gatwick und London Luton an, hat aber keine eigenen Maschinen in Zürich stationiert. In Basel und Genf ist Easyjet hingegen die klare Nummer eins mit einem Marktanteil von 38 Prozent (Genf) und 48 Prozent (Basel). In Zürich dominiert die Swiss mit 56 Prozent. Dennoch sieht Carolyn McCall in der Schweiz grosse Wachstumschancen: „Die Schweiz ist ein Hauptmarkt von uns, und wir haben mittlerweile 12 Flugzeuge in Genf, in Basel 7, und wahrscheinlich bald mehr. Wir denken über zusätzliche Flugzeuge in Basel nach, eventuell auch in Genf. Die Schweiz gehört zu unseren Top-3 Wachstumsmärkten, mit 10 Prozent Wachstum.“ Heute zählt Easyjet in Basel und Genf 700 Mitarbeiter. Die aktuelle Wirtschaftslage beurteilt McCall im „Sonntag“ kritisch: „Meiner Meinung nach wird sich Europa nicht rasch erholen. Wir müssen also vorsichtiger werden. Wir möchten noch immer wachsen, aber nicht mehr zweistellig. Ich rechne mit vier bis fünf Prozent im nächsten Jahr.“ McCall rechnet Ende Jahr mit einem Vorsteuergewinn von 280 bis 300 Millionen Pfund. Letztes Jahr schaffte Easyjet konzernweit 1200 neue Stellen. Dieses Jahr dürften sich die Einstellungen im gleichen Rahmen bewegen. Zudem sieht es sehr danach aus, dass Easyjet schon bald die sitzgenaue Reservation einführt. „Der definitive Entscheid fällt in den nächsten Wochen. Aber der Test verlief bisher sehr gut.“ Man habe sich eingestehen müssen, dass der Boarding-Prozess momentan das schwächste Element in der Kette sei. „Viele Kunden empfinden es als stressig, weil man um seinen Sitz kämpfen muss. Die Sitzplatzreservierung wird dies verbessern.“ Wegen des steigenden Benzinpreises seien die Preise in Markt in den vergangenen Monaten gestiegen. „Der Kerosinpreis ist in letzter Zeit aber wieder gesunken, und somit rechne ich allgemein mit sinkenden Tarifen.“



Rückzieher: Marc Rich lässt Villen-Verkauf in Meggen platzen

Luzern. Rohstoffhändler Marc Rich und der kanadische Kunsthändler Robert Landau waren sich einig. Für 50 bis 60 Millionen Franken sollte Richs luxuriöse Villa Rose im luzernischen Steuerparadies Meggen den Besitzer wechseln (siehe «Sonntag» vom 19. August). So wurde es vereinbart und der Termin für die Verschreibung beim Notar stand bereits. Doch dann hat sich Marc Rich gemäss einem Geschäftsfreund von Robert Landau «im letzten Moment» vom Verkauf zurückgezogen. Dies mit der Begründung, er könne sich doch nicht vom Anwesen trennen.
Der Innerschweizer Geschäftsmann Werner Spindler, der für Landau den Verkauf einfädelte, bestätigt gegenüber der Zeitung „Der Sonntag“: «Es stimmt, leider ist der Deal geplatzt. Dies, obwohl alles abgemacht war und die Verschreibung beim Notar bereits gefixt war.» Ob die Verhandlungen wieder aufgenommen werden und wie es nun weitergeht, will Spindler nicht kommentieren.
Wie es aus dem Rich-Umfeld heisst, sei das Geschäft schliesslich aber unter anderem im letzten Moment wegen des Verkaufspreises gescheitert: Der Unternehmer, der die meiste Zeit mit seiner Freundin in London oder in Marbella (Spanien) lebt, wollte anfangs zwischen 90 bis 100 Millionen Franken für seine Villa. Dass er sich längst entschlossen hatte, sich vom Haus trennen, war klar: «Meggen ist für mich einer der schönsten Orte der ganzen Welt, aber dieses Haus ist ein Familienhaus. Es ist zu gross für mich allein – und zu teuer. Und überhaupt: Ich habe lieber Geld als ein Haus», sagte er vor einem Jahr in der «Weltwoche». Doch laut Richs Sprecher Christian König wohnt der Rohstoffunternehmer aktuell in der Villa Rose, er habe nicht die Absicht, die Schweiz zu verlassen. Der geplatzte Deal hat für den kanadischen Kunsthändler Robert Landau Folgen. Denn dieser erwarb vor einiger Zeit angrenzend an Marc Richs Grundstück mehrere tausend Quadratmeter Land – zu einem Quadratmeter-Preis von rund 4500 Franken. Landaus Vision war es, die Grundstücke zusammenzulegen und darauf eine topmoderne Kunstgalerie zu bauen. Gemäss Insider-Informationen ist auch die Familie Brenninkmeyer, Besitzer des Modehauses C & A, am Rich-Anwesen interessiert. Der Brenninkmeyer-Clan gehört zu den reichsten Familien Europas.



Thalia verkleinert Prestigeshop in Bern

BERN. Der deutsche Buchhändler Thalia will seine 2150 Quadratmeter grosse, mehrstöckige Prestigefiliale im Berner Warenhaus Loeb zu verkleinern, wie die Zeitung „Der Sonntag“ berichtet. Wie Recherchen der Zeitung ergeben haben, strebt Loeb eine Neuvermietung an. Möglichen Interessenten wird angeboten. Man sei bereit über den Mietzins zu verhandeln. «Wir haben uns schon Überlegungen gemacht für eine neue Nutzung», bestätigt Ronald Christen, Marketingleiter von Loeb im „Sonntag“. Thalia habe zwar einen langfristigen Vertrag, der noch mehrere Jahre dauert. Aufgrund der Verkleinerungspläne schaue man sich aber im Markt nach Möglichkeiten um. «Wir können auswählen. Schliesslich verfügen wir über einen der attraktivsten Standorte der Schweiz.» Ein Zeitplan existiere noch nicht und es sei auch noch nicht klar, um wie viel Thalia seine Verkaufsfläche verkleinern werde, «sei es um 100, 200 Quadratmeter oder eine ganze Etage.» Ein Rückzug aus dem Loeb-Warenhaus sei kein Thema, heisst es bei Thalia. «Gegenwärtig ist der Standort und die Grösse der Filiale für Thalia die richtige», sagt Sprecherin Antje Deichsel im „Sonntag“. Im Herbst zieht Thalia ganz aus dem Basler Shoppingzentrum Stücki aus. Danach wird der Konzern noch 23 Filialen in der Schweiz betreiben, inklusive seiner Stauffacher-, Meissner- und ZAP-Geschäfte. Die Buchshop-Gruppe setzte 2010/11 in der Schweiz 130 Millionen Franken um. Wie auch die Konkurrenz befindet sich Thalia in einer Umbruchphase, da die Umsätze zunehmend ins Internet abwandern und der stationäre Handel an Bedeutung verliert. So verkleinert Orell Füssli dieses Jahr seine Ladenfläche im Berner Shoppingzentrum Westside auf einen Drittel. Und die Migros-Tochter Ex Libris wird in zwei Jahren sein grosses Geschäft an der Zürcher Bahnhofstrasse aufgeben müssen. Bei Thalia trägt der Onlinehandel laut Sprecherin Antje Deichsel bereits 23 Prozent zum Umsatz bei. Zudem werden in den Geschäften selber nicht mehr nur Bücher, sondern zunehmend auch andere Sortimente angeboten, wie Spiele oder Papeterie-Produkte.



Am Pranger: Angestellte kritisieren Sunrise

ZÜRICH. Seit einigen Monaten existiert eine Webseite mit dem Namen albtraum-sunrise.com/klagemauer/. Dort häufen sich Einträge, die das Telekomunternehmen Sunrise stark kritisieren. Brisant: Es sind nicht nur frustrierte Kunden, die ihrem Ärger freien Lauf lassen, sondern auch aktuelle und ehemalige Mitarbeiter. Stein des Anstosses ist in fast allen Beiträgen der mangelhafte Kundenservice, insbesondere bei Kündigungsfällen. «Sinnlose Regeln, sogenannte Business Rules, hindern die Callcenteragenten daran, die Kunden so zu behandeln, wie sie es verdient hätten», schreibt ein Angestellter. «Immer wieder bekommt man von oben zu hören, man müsse die Qualität erhöhen, aber gleichzeitig werden die Systeme schlecht gewartet [...], Hilfestellungen abgebaut (...) und das Augenmerk mehr auf Verkauf als auf Kundendienst gerichtet.» Ein ehemaliger Angestellter eines ausgelagerten Dienstanbieters für Sunrise schreibt: «Es gibt unzählige verschiedene Abteilungen, (...) von denen keine wirklich weiss, was die andere eigentlich tut.» Der Grund, weshalb die Kunden viele Falschaussagen am Telefon erhalten würden, sei der Mangel an Schuldungen. Man habe viele Verbesserungsvorschläge an die Sunrise-Leitung übermittelt. «Aber wir stiessen auf taube Ohren.» Bei der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) kennt man das Problem: «Die Fälle zum schlechten Kundendienst der Sunrise haben in den letzten Monaten nicht abgenommen», sagt SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder. «Früher war Cablecom das schwarze Schaf, aber mittlerweile halten sich die beiden Unternehmen in Sachen Beschwerden die Waage.» Man habe schon mehrmals mit der Geschäftsleitung und CEO Oliver Steil über das Problem gesprochen. Sunrise-Sprecherin Frida Hirt sagt, man verfolge die Kommentare auf der Website «aufmerksam und mit grossem Interesse.» Man nehme die Kritikpunkte ernst und prüfe laufend Verbesserungsmassnahmen. Man erwarte aber grundsätzlich, dass die Mitarbeitenden ihre Kritik intern anbringen würden. Es seien diverse Optimierungsmassnahmen im Gange, die auch die Rechnungsstellung oder das Mahnwegen betreffen.



„Kristallnacht-Twitterer“ Alexander Müller polemisiert gegen SVP

Zürich. «Vielleicht brauchen wir wieder eine Kristallnacht... diesmal für Moscheen». Dieser Tweet machte Alexander Müller, einen Zürcher Schulpfleger, schweizweit bekannt. Der Tweet kostete ihm den Job, die SVP-Zugehörigkeit und bescherte ihm eine Rassismus-Untersuchung. Jetzt startete Müller ein neues Twitter-Gewitter. Diesmal richtet es sich nicht gegen Muslime, sondern gegen die SVP, wie die Zeitung „Der Sonntag“ berichtet. «Ich habe ein reines Gewissen und muss mir nichts vorwerfen. Die SVP ist eine ausländerfeindliche Partei, das ist Fakt», twittert Müller auf seinem «Daily Talk». Und weiter: «Dass ausgerechnet SVP-Mitglieder das Wort Charakter in den Mund nehmen, ist eine Unverfrorenheit. Schon in den Spiegel geschaut?» Auch Blocher und Co. bekommen von Müller ihr Fett ab: «Hochmut kommt vor dem Fall. Mal schauen, wie lange sich die arroganten Herren an der SVP-Spitze noch halten können». Müller spricht sogar von «Führerpartei». Die SVP wollte die Angriffe gegenüber dem „Sonntag“ nicht kommentieren.



Insider: Konrad Hummler vor Rücktritt bei der NZZ

Zürich. Privatbankier Konrad Hummler stehe kurz vor seinem Rücktritt aus dem Verwaltungsrat der «Neuen Zürcher Zeitung» (NZZ), wollen verschiedene Quellen wissen. Dies berichtet die Zeitung „Der Sonntag“. Auf Anfrage nimmt der früher so kommunikative Hummler nicht persönlich Stellung, sondern schickt Wegelin-Pressesprecherin Albena Björck vor. Diese verweist auf den NZZ-Verwaltungsrat, der zu «gegebener Zeit» informieren werde, und auf die NZZ-Pressestelle.
Der Verwaltungsrat habe sich in den letzten Wochen auch mit der Nachfolgeregelung im Präsidium auseinandergesetzt, lässt dieser ausrichten. Die «gegenwärtige Situation» sei unverändert, das Unternehmen werde bis zur Generalversammlung 2013 weiterhin von Franz Steinegger als interimistischem Präsidenten geführt. «Rechtzeitig» werde das Gremium «Kandidaten für die Wahl in den Verwaltungsrat vorschlagen». Über Konrad Hummler, der das Verwaltungsratspräsidium als Folge der Verwicklungen seiner Bank in den US-Steuerstreit abgeben musste, kein Wort.
Um eine Klarstellung gebeten, schreibt Albena Björck: «Zur Stellungnahme des Verwaltungsrates gibt es nichts hinzuzufügen.» Ein Dementi oder eine Bestätigung für einen Verbleib bis zum Frühjahr lesen sich anders. Sicher scheint nur: Auf das Präsidium wird Hummler nicht zurückkehren.



Zürcher Steuerprofessor berät eine US-Grosskanzlei – von Homburger eingewechselt

Zürich. In der Zürcher Anwaltsszene kommt es laut „Sonntag“ zu einem prominenten Stellenwechsel. Den 43-jährige Steuerrechtsprofessor René Mateotti zieht es zur Zürcher Niederlassung der US-Grosskanzlei Baker & McKenzie. Bis Ende Juni war er als sogenannter «Of Councel» bei Konkurrentin Homburger in Zürich tätig. Erst Anfang August trat er seine neue Professorenstelle an der Universität Zürich an. Matteotti ist dort neu Ordinarius für schweizerisches, europäisches und internationales Steuerrecht. Zuvor war der Steuerspezialist während Jahren für die Universität Bern tätig. Matteotti ist zudem Mitglied zahlreicher Fachgremien: Unter anderem wurde er im Juni in das Forum Finanzplatz Schweiz des eidgenössischen Finanzdepartements gewählt. Er sitzt auch in verschiedenen Bundesgremien zur Unternehmenssteuerreform III. Baker & McKenzie ist eine der weltweit grössten Kanzleien mit einem Honorarvolumen von rund 2,5 Milliarden Dollar. Einst war die heutige IWF-Direktorin, Christine Lagarde, Präsidentin der Gruppe mit Hauptsitz in Chicago. Baker & McKenzie zählt mit Homburger, Bär & Karrer sowie Lenz & Stähelin zu den wichtigsten Wirtschafts-Kanzleien der Schweiz.



Unruhe im WEF-Hotel „Belvedere“ Davos: Kader-Abgänge und Gästerückgang

Davos. Während des World Economic Forum (WEF) ist das Belvédère das Herz von Davos. Hier steigen die Konzernlenker, Staats- und Regierungschefs ab. Jetzt ist das Fünfsternehotel in die Krise geraten, wie die Zeitung „Der Sonntag“ berichtet. Seit dem überraschenden Abgang des langjährigen Direktors Ernst Wyrsch im März 2011 kommt das Haus nicht zur Ruhe. Innerhalb von 16 Monaten gab es fünf Wechsel in der Direktion. Zuerst waren zwei Interimsdirektoren am Ruder, dann sollte im September 2011 mit dem erfahrenen Hotelmanager Conrad Meier ein fester Nachfolger antreten. Doch Meier hatte ein wenig glückliches Händchen. Er verliess das Hotel Ende März bereits wieder, worauf erneut ein Interimsdirektor einzog. Zuerst hatte es sich Meier mit den Davoser Gewerblern verscherzt, als er bekannt gab, dass sie nur noch einen Bruchteil dessen liefern können, was bislang bei ihnen bestellt wurde. Dann, am WEF von diesem Januar, zeigte sich, dass er im Gegensatz zu «Aschi» Wyrsch keinen Draht zu den hochrangigen Politikern und Managern fand und auch nicht suchte. Als Nachfolger Nummer fünf versucht es nun seit Ende Juni Michael Hoferer. Er hat keine leichte Aufgabe. Denn im Kader ist es zu einem eigentlichen Aderlass gekommen. Der Vizedirektor, der Küchenchef und der langjährige Gästebetreuer Hans Escher, der die geheimsten Wünsche vieler Stammgäste kennt, haben das Haus verlassen. Zusammen mit weiteren Ex-Belvédère-Angestellten wechselten sie ins Hotel Kulm nach Arosa. Das ist kein Zufall: Dessen Verwaltungsrat wird neu von Ernst Wyrsch präsidiert.Die Unruhe fordert ihren Tribut bei den Gästen. Gemäss mehreren Beobachtern der Hotelszene in Davos, die nicht namentlich genannt sein wollen, hat das Belvédère etliche Stammgäste verloren. Der Grund: Sie fühlen sich nicht mehr so persönlich betreut wie zu Wyrschs Zeiten. «Die Gäste laufen davon», sagt ein Insider. Das einstige Vorzeigehaus sei zum «Problemhotel» geworden, sagt ein Zweiter.




NEWS AUS DEM „SONNTAG BASEL“



Universität Basel: Latein nicht mehr obligatorisch für Masterstudiengänge in Geschichte

Latein ist für alle Masterstudiengänge in Geschichte an der Universität Basel nicht mehr obligatorisch. Dies bestätigt Uni-Rektor Antonio Loprieno gegenüber der Zeitung „Der Sonntag“. Angesichts der Tatsache, dass nur noch fünf Prozent der Schüler an den Gymnasien Latein wählten, hätten sich die Verantwortlichen zu Recht gefragt, ob ein Sprachobligatorium für die Zulassung zum Studium noch gerechtfertigt sei, sagt Loprieno.



Das Schwerpunkt-Programm der Basler Gymnasien wird gestrafft

Hans Georg Signer, Leiter Bildung im Basler Erziehungsdepartement, greift in den Gymnasien durch. Um die fünf Standorte von Basler Gymnasien und ihre Schülerzahlen zu stabilisieren, greift er wie in der Zeitung „Der Sonntag“ vor einer Woche angekündigt in die Angebotsstruktur der Schulen ein. Nach Informationen des „Sonntag“ hat Signer nicht nur Streichungen von Schwerpunktfächern veranlasst, sondern er schränkt auch die Wahlfreiheit der Schüler ein. Künftig müssen angehende Gymnasiasten zwei Schwerpunktfächer als Wunsch angeben. Gibt es für einen Schwerpunkt zu viel oder zu wenig Schüler, gilt der zweite Schwerpunkt, der allenfalls in einem anderen Gymnasium stattfindet. Ein Politikum ist ein zweiter Entscheid: Künftig sollen Gymnasiasten zwischn Französisch und Italienisch wählen.



Mehr Kongresse für Basel

Basler Wirtschafts- sowie das Präsidialdepartement geben Studie für eine Kongressstrategie in Auftrag. Das Basler Wirtschafts- sowie das Präsidialdepartement haben eine Studie für eine Kongressstrategie in Auftrag gegeben. Eine externe Firma soll in erster Linie einmal abklären, welches Potenzial die Region Basel für Kongresse habe und wer alles für Kongresse zuständig sei, sagt Samuel Hess, Geschäftsleitungsmitglied des Amts für Wirtschaft und Arbeit, gegenüber der Zeitung „Der Sonntag“ bestätigte. Je nach Ausgang der Studie werde sich der Handlungsbedarf für eine Kongressstrategie zeigen, so Hess.



Interpellation zu „Telebasel“-Report

Der Grünliberale Grossrat David Wüest-Rudin sorgt sich um das Verhältnis der Basler Regierung zu den Medien. Anlass ist die Beschwerde des Basler Erziehungsdepartements gegen einen Report von „Telebasel“, in dem die Schwimmbussen gegen muslimische Familien vornehmlich aus Sicht der Gebüssten dargestellt wird. Gemäss der Zeitung „Der Sonntag“ fragt er die Regierung an, ob es keinen anderen als den Rechtsweg gegeben hat, um ihre Position darstellen zu können.