Bilderberg-Konferenz: Elite-Club trifft sich in St. Moritz

Von Patrik Müller


Samstag, 23. April 2011 22:50

Keystone


Kritiker bezeichnen sie als «Schatten-Weltregierung»: Die Bilderberg-Gruppe, welcher einflussreiche Politiker, Wirtschaftsführer und Militärs angehören, trifft sich im Juni im Engadin. Die Medien werden ausgeschlossen.

1988 soll an der Bilderberg-Konferenz die deutsche Wiedervereinigung eingefädelt worden sein (mit Helmut Kohl als Teilnehmer), und auch der Irak-Krieg 2003 wurde angeblich an dem klandestinen Treffen beschlossen. Wo und wann die Jahreskonferenz jeweils stattfindet, wird erst im Nachhinein bekannt gegeben. Und über den Inhalt der Gespräche gilt absolutes Stillschweigen.
Christoph Blocher, der 2009 an der Bilderberg-Konferenz in Athen dabei war, vergleicht die Veranstaltung mit dem WEF in Davos – «einfach ohne Öffentlichkeit, das führt zu besseren Diskussionen», wie er auf seinem Internetsender sagte. «Anwesend sind leitende Leute aus Politik, Wirtschaft und Armee, vor allem aus Europa und Amerika, keine Chinesen und Russen.»

Erst nach der Konferenz wird auf der offiziellen Webseite www.bilderbergmeetings.org eine Teilnehmerliste veröffentlicht. Darauf standen in den letzten Jahren etwa Henry Kissinger, Bill Gates, Angela Merkel, Paul Volcker, die niederländische Königin Beatrix und die spanische Königin Sofia. Von der Schweiz sind, nebst Christoph Blocher, unter anderem folgende Teilnehmer überliefert: Pascal Couchepin, Michael Ringier, Daniel Vasella, Joe Ackermann, Peter Voser, Peter Forstmoser, Flavio Cotti und Kurt Furgler.

Dieses Jahr soll die sagenumwobene Konferenz in der Schweiz stattfinden, genauer: in St.Moritz, und zwar vom 9. bis 12. Juni. Mehrere verlässliche Quellen sagen gegenüber dem «Sonntag», Tagungsort sei das «Suvretta House», ein Fünfsternehotel mit prächtigem Blick übers Engadin.

Als wir beim «Suvretta House» anrufen und uns nach der Bilderberg-Konferenz erkundigen, bricht Nervosität aus. Hotelchef Vic Jacob ist erst sprachlos und sagt dann verdattert: «Von was reden Sie?» Um zu ergänzen: «Dazu sage ich nichts. Da müssen Sie den Veranstalter fragen, Vischer, Merkt & Partner.» Also rufen wir bei diesem Unternehmen mit Sitz in Zürich an, das sich auf die Organisation von Konferenzen spezialisiert hat. Langes Schweigen auch bei Managing Partner Roman Merkt, als wir ihn am Telefon erreichen. «Dazu kann ich Ihnen nichts sagen», wiederholt er dann unentwegt bei jeder Frage.

Es ist das fünfte Mal, dass sich die 1954 gegründete Bilderberg-Gruppe in der Schweiz trifft. Letztmals tagte sie 1995 hier – auf dem Bürgenstock. Die «Luzerner Neusten Nachrichten» titelten damals: «Bürgenstock ist eine eingesperrte Festung». Offiziell will sich niemand zum diesjährigen Tagungsort St.Moritz äussern, doch ausgerechnet Deutsche-Bank-Chef Joe Ackermann, der im Steuerungskomitee der Bilderberg-Gruppe sitzt, lieferte eine unfreiwillige Bestätigung: In der «Welt» plauderte er kürzlich über seinen strengen Terminkalender und erwähnte unter anderem «eine Konferenz in St.Moritz».

Auch in Bundesbern hat man Wind davon bekommen. Der jurassische SVP-Nationalrat Dominique Baettig reichte nun eine Interpellation ein. Er fragt den Bundesrat, ob er von dieser Konferenz wisse und selber eine Teilnahme in Betracht ziehe, und weiter: «Wie beurteilt der Bundesrat die mangelnde Transparenz der Diskussionen und Ziele dieses elitären, undemokratischen Klubs?» Auch will Baettig Bescheid über die Sicherheitskosten. Letztes Jahr, als die Konferenz an der Costa Dorada in Spanien stattfand, beschützten 350 Polizisten die etwa 100 Teilnehmer. Für den Vorstoss brauchte es offenbar Mut: «Man hat mich gewarnt, ich würde mir damit Probleme machen», sagt Baettig. «Aber das ist mir egal. Ich lebe noch.»

Die Bilderberg-Geheimloge schafft es sogar, dass der SVPler Baettig auf einer Linie mit den Jungsozialisten liegt, denen die Konferenzen unheimlich sind. Juso-Präsident David Roth sagte gegenüber «20 Minuten»: «Da treffen sich die Finanzjongleure mit ihren politischen Stiefelleckern.»

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