Neue Namen für SRG-Sender

Von von Sandro Brotz und Patrik Müller


Samstag, 03. September 2011 22:45


Die Verschmelzung von Fernsehen, Radio und Internet hat Folgen: Interne und externe Markenspezialisten brüten über neuen Namen. Am liebsten würde die SRG die Marke «Radio 1» von Roger Schawinski kaufen.

Vor zwei Wochen wurde der Sendeturm «Beromünster» gesprengt, nun droht dasselbe Schicksal im übertragenen Sinn der Nachfolgemarke «DRS». Das bekannte Kürzel steht beim Radio vor dem Aus, nachdem es vor sieben Jahren aus dem Fernsehen verschwunden war – bis dahin hiess es «SF DRS», seither nur noch «SF».

«Aufgrund der Fusion von Radio und Fernsehen überprüfen wir unsere Markenarchitektur», bestätigt Alex Hefter, Creative Director und Leiter Gestaltung. Ein erster, SRG-interner Workshop hat bereits stattgefunden, ein zweiter steht bevor. Daran nehmen auch externe Markenexperten teil. «Die Entwicklung der Marken wird im Haus gemacht, aber wir holen Zweitmeinungen von aussen ein», sagt Hefter.

Die Zeichen stehen auf eine neue Namensgebung – es wäre die fünfte Umbenennung in 25 Jahren. Vorbild sind die britische BBC und der österreichische ORF. Besonders angetan hat es den SRG-Markenspezialisten offenbar das Konzept der BBC. Deren Radiosender heissen schlicht «BBC Radio 1» bis «BBC Radio 5». Analog wird bei der SRG geprüft, ob man die heutigen DRS-Sender als «Radio 1», «Radio 2» etc. durchnummerieren kann.

Doch die bestechend einfache Idee hat einen Haken: «Radio 1» gibt es bereits. Es gehört Roger Schawinski, dem langjährigen SRG-Kritiker und heutigen Talker des Schweizer Fernsehens. Er sagt: «Diese Überlegungen sind mir bekannt, aber eine offizielle Anfrage liegt nicht vor.» Offenbar kam es zu inoffiziellen Gesprächen auf oberster SRG-Ebene wegen einer möglichen Markenübernahme.

Leichthin will Schawinski seine Marke nicht verkaufen: «Das wird ein schwieriges Unterfangen, von mir den Namen Radio 1 zu bekommen. Ich kann mir ein solch kreativ-unmoralisches Angebot nicht einmal theoretisch vorstellen», sagt der Medienpionier. Er hätte für die SRG schon eine Gratis-Lösung bereit: «Sie müsste einfach mit Radio 2 zu zählen anfangen. Die 1 bleibt bei uns.» Ein reichlich unrealistischer Vorschlag.

Realistisch ist hingegen, dass die Dachmarke «SRF» (Schweizer Radio und Fernsehen) die bisherigen Kürzel ablöst. Die Dachmarke existiert seit Januar 2011 bereits als Unternehmensmarke, die Sender treten gegen aussen aber nicht so auf. Wie aus dem Leutschenbach zu hören ist, würden die Fernsehsender demnach neu «SRF 1» und «SRF 2» statt «SF 1» und «SF 2» heissen. Für das Radio müsste man sich aber noch einen Zusatz überlegen, sodass sich die Marken vom Fernsehen unterscheiden. Creative Director Alex Hefter will sich noch nicht auf eine Lösung festlegen.

Die grosse Frage, die am Leutschenbach debattiert wird, lautet: Wie viel Vereinheitlichung und wie viel Vielfalt wollen wir? Alex Hefter spricht von zwei grundlegend unterschiedlichen Varianten:
Variante «Branded House»: «Dabei steht SRF für das Gesamtangebot von Radio, Fernsehen und Internet», so der Creative Director.

> Variante «House of Brands»: «Hier können sich die Marken der einzelnen Kanäle unter einer Dachmarke weiterhin unterscheiden.» Welche der beiden Varianten sich durchsetzt, ist zurzeit offen. «Auch die höchsten SRG-Chefs sind unsicher», sagt ein Insider. «Die externen Markenspezialisten drängen hingegen klar auf die Variante Vereinheitlichung.» Im Workshop hätten sie von einem «Markensalat» gesprochen, den man nun aufräumen müsse.

Die Zeit drängt. SRF will «im Lauf des Jahres entscheiden», wie Alex Hefter sagt. Es wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, da das Fernsehen 2012 auf den neuen HD-Standard umstellt – das «Fernseherlebnis wie im Kino: mit hoher Bildauflösung, Breitbild-Format und Surround-Ton», wie es in der Eigenwerbung heisst.

Insbesondere die Radioleute würden sich gegen die Abschaffung von «DRS» wehren, heisst es. Öffentlich äussern will sich niemand. Dafür spricht die Radiolegende und Schauspielerin Elisabeth Schnell (81) aus, was viele denken: «Es ist schade, weil Radio DRS ein Teil nicht nur meines Lebens war. Viele Hörerinnen und Hörer identifizieren sich mit dem Namen Radio DRS und müssten sich umgewöhnen.»

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