Exklusiv: Jetzt spricht Grübel

Von von Patrik Müller und Beat Schmid


Samstag, 17. September 2011 23:15

Chris Iseli - az


Oswald Grübel bricht sein Schweigen. Gegenüber dem «Sonntag» sagt er zum Handelsverlust in London: «Ich habe die Verantwortung für alles, was in der Bank passiert – ich fühle mich aber nicht schuldig.»

Zwei Milliarden Dollar Verlust und ein noch grösserer Reputationsschaden: Das von einem 31-jährigen Händler verursachte Debakel erschüttert die UBS. Drei Tage nach dem Auffliegen der Fehlspekulation äussert sich nun erstmals CEO Oswald Grübel öffentlich.

Er hält nichts von den Rücktrittsforderungen, wie sie vor allem von SP-Politikern kommen: «Das ist rein politisch», sagt er. «Ich denke nicht über einen Rücktritt nach», sagt Grübel, um zu ergänzen, diese Frage sei «Sache des Verwaltungsrats».

Weiter erklärt Grübel: «Wenn jemand mit krimineller Energie vorgeht, können Sie nichts machen. Das wird es in unserem Job immer geben.» Dennoch betont er, die Verantwortung liege bei ihm. «Ich habe die Verantwortung für alles, was in der Bank passiert», so Grübel. «Aber wenn Sie mich fragen, ob ich mich schuldig fühle, dann sage ich Nein.»

Der mutmassliche Täter, der Ghanese Kweku Adoboli, war am Donnerstag im Morgengrauen in London verhaftet worden. Bereits am Freitag stand er wegen Betrugsverdachts vor Gericht. Oswald Grübel will keine näheren Angaben dazu machen, wann er selber von dem 2-Milliarden-Verlust erfahren hat: «In dem Zeitpunkt, wo wir es entdeckt haben», sagt er auf die entsprechende Frage bloss.

Wie Kweku Adoboli den gewaltigen Verlust verursachen konnte und warum sämtliche Kontrollmechanismen der UBS versagten, ist Gegenstand von Untersuchungen sowohl der britischen als auch der schweizerischen Finanzmarktaufsicht. Bei der UBS geht man nach wie vor von einem Einzeltäter aus.

Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» mutmasste gestern, der 31-Jährige habe sich beim Wechselkurs Franken/ Euro verspekuliert. «Immer mehr verdichten sich Hinweise darauf, dass der bei der UBS entstandene Verlust unmittelbar in Zusammenhang steht mit den massiven Interventionen, die die Schweizer Nationalbank seit vergangener Woche tätigt, um den Franken an einer weiteren Aufwertung zu hindern», schrieb die Zeitung. Belege gibt es für diese These jedoch nicht. Die «Financial Times» wies gestern auf die Kritik von Grübel an der Kursuntergrenze von Fr.1.20 hin, die der CEO im «Sonntag»-Interview vor einer Woche geäussert hatte.

Die UBS hat inzwischen sämtliche Werbekampagnen in Zeitungen und Fernsehen weltweit gestoppt. Denn bei solch negativen Schlagzeilen würde jede Werbeanstrengung verpuffen.

Beantworten Sie dazu die Sonntagsfrage.

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