Statt Gripen: Deutschland bietet der Schweiz Occasions-Jets an

Von Othmar von Matt


Samstag, 25. August 2012 23:10


33 Eurofighter sollen gleich viel kosten wie 22 Gripen.

Mitten in die entscheidende Phase der Beschaffung eines Kampfjets kommt jetzt ein neues Angebot aus Deutschland. Gemäss Recherchen des «Sonntags» hält der Hersteller EADS eine neue Offerte bereit: Die Schweiz soll 33 Occasions-Eurofighter kaufen können – für ungefähr jene 3,2 Milliarden Franken, welche die 22 Flieger des noch nicht gebauten Kampfjets Gripen E/F kosten. Der Gripen ist der Favorit von Verteidigungsminister Ueli Maurer.

Die Occasions-Jets kommen aus den Beständen der deutschen Luftwaffe und sind offenbar in hervorragendem Zustand. Es geht um den Eurofighter der Tranche eins, der seit 2003 hergestellt wird und in fünf Ländern im Einsatz ist. Es ist jener Eurofighter, der 2008 in Emmen LU die Testflüge von Armasuisse bestritt. Gemäss Bericht der Subkommission der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK) erreichte er die Truppentauglichkeit «vorbehaltlos» – im Gegensatz zum schwedischen Gripen E/F.

Die Offerte der EADS ist flexibel gestaltet. Entsprechend ihren Bedürfnissen könnte die Schweiz in einer ersten Phase 33 oder 22 Occasions-Eurofighter kaufen. Bis zu 33 Stück kosten rund 3,2 Milliarden Franken. Für 22 Eurofighter wären es rechnerisch rund 2,2 Milliarden. Mit diesem Paket würden die 54 Tiger F-5 ersetzt. Danach könnte die Schweiz die 33 F/A-18 mit neuen Eurofightern der Tranche drei ablösen. Denn gemäss dem Gripen-Bericht stellt sich auch die Frage der der Ablösung des F/A-18. Konfrontiert mit diesen Recherchen heisst es beim Konzern: «EADS ist jederzeit in der Lage, solche Angebote im Budgetrahmen der Schweiz zu machen.»

Die Deutschen reagieren mit ihrer Offerte auf den Bericht, wonach für das VBS die Kostenfrage entscheidend sei. Während der Evaluation hatten Occasionsflugzeuge keine Rolle gespielt. Ihr Angebot will die EADS gemäss Insidern vorläufig nicht offiziell unterbreiten – weil die Schweiz zurzeit mit Schweden verhandelt. Die Politik müsste sie dazu auffordern.

Das Verteidigungsdepartement bekräftigte gestern, dass es den Gripen-Kauf durchsetzen will: Es gab bekannt, dass die Schweiz und Schweden ein Rahmenabkommen für die Beschaffung der Jets abgeschlossen haben. Doch der innenpolitische Widerstand wächst.

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