Universität entlässt Professor Mörgeli

Von Christof Moser


Samstag, 15. September 2012 23:10

Christoph Mörgeli im medizinhistorischen Museum an der Rämistrasse in Zürich. Foto: Sabina Bobst


Nach schweren «Mobbing»-Vorwürfen gegen seinen Vorgesetzten erhält SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli die Kündigung.

Das kommende Woche geplante Mitarbeitergespräch mit Professor Christoph Mörgeli an der Universität Zürich wird zum Austrittsgespräch. Wegen seiner öffentlich geäusserten «Mobbing»-Vorwürfe und der Forderung nach einer Strafuntersuchung gegen seinen Vorgesetzten Flurin Condrau am medizinhistorischen Institut will die Universitätsleitung die Notbremse ziehen und Mörgeli entlassen – fristlos. Das ergeben «Sonntag»-Recherchen. Die Universität wollte sich dazu offiziell nicht äussern.

Ursprünglich hätte Mörgeli nächste Woche eine letzte Frist zur Behebung der schweren Mängel im medizinhistorischen Museum und der dazu gehörenden Sammlung eingeräumt werden sollen, die ein akademischer Bericht und eine externe Expertise aufdeckten. Die Berichte gelangten vergangene Woche an die Öffentlichkeit und stellen Mörgeli ein verheerendes Arbeitszeugnis aus.

Eine ausserordentliche Leistungsbeurteilung, die von der Universitätsleitung im November 2011 initiiert wurde und deren Inhalt bisher nicht bekannt war, stützt die massive Kritik an Mörgeli. Ihm wird «mangelnde Arbeitsleistung» vorgeworfen. Mörgeli soll gemäss der Beurteilung seine Arbeit als Professor und Museumsleiter in den letzten Jahren systematisch vernachlässigt haben, vor allem zum Nachteil der weltweit grössten medizinhistorischen Sammlung, für deren Pflege Mörgeli als Konservator des Instituts zuständig ist. An der Universität geht man davon aus, dass Mörgeli die Kündigung am Verwaltungsgericht anfechten wird.

Mit dem beruflichen Absturz von Professor Mörgeli bröckelt auch ein politisches Monument. Wie kaum ein Zweiter neben Christoph Blocher dominierte der Zürcher SVP-Nationalrat in den letzten 15 Jahren die Schweizer Politik.

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