Bank Vontobel drängte Hoeness zu Selbstanzeige

Von Alan Cassidy und Beat Schmid


Samstag, 27. April 2013 23:30

Uli Hoeness gestern beim Spiel des FC Bayern.Foto: imago


Der Bayern-Präsident legte sein Konto erst auf Druck seiner Bank offen.

Lange hatte Uli Hoeness sein Schweizer Bankkonto vor den deutschen Steuerbehörden geheim gehalten, vor einer Woche wurde es nach einer Selbstanzeige des Bayern-Präsidenten publik. Seither ist die Steueraffäre das bestimmende Thema der deutschen Politik.

Gemäss Informationen der «Schweiz am Sonntag» war es Hoeness’ Bank Vontobel, die ihn dazu drängte, sein nicht deklariertes Konto zu regularisieren. Der langjährige Bankberater des Bayern-Chefs hatte bereits vor dem Scheitern des Schweizer Steuerabkommens mit Deutschland Optionen ausgelotet, wie er sein Konto in die Steuerlegalität führen kann.

Die Zürcher Traditionsbank nimmt zum Fall selbst keine Stellung. Sie begleite aber Kunden auf dem Weg in die Steuerehrlichkeit, sagt Medienchef Reto Giudicetti: «Wir begrüssen grundsätzlich, dass deutsche Kunden über den Weg der Selbstanzeige mit den deutschen Steuerbehörden ins Reine kommen wollen.»

Ins Visier der Politiker geraten neben den Deutschen, die ihr Geld auf Schweizer Banken parkiert haben, nun auch jene, die ihren Wohnsitz in der Schweiz haben. Besonders in der Kritik: Sportstars wie Michael Schumacher, Sebastian Vettel oder Günter Netzer, die zum Teil seit Jahren in der Schweiz leben – und von tiefen Steuern profitieren.

Der Chef der deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, spricht gegenüber der «Schweiz am Sonntag» von einem «moralischen Problem»: «Wenn es jemand dank der Ausbildung und der Infrastruktur in einem Land zu wirtschaftlichem Erfolg bringt und danach aus steuerlichen Gründen wegzieht, hat das wenig mit Patriotismus zu tun. Es ist das Gegenteil von Patriotismus.» Jürgen Trittin, Fraktionschef der Grünen, fordert, dass auch Deutsche im Ausland vom Fiskus belangt werden können – so, wie auch die USA ihre Bürger weltweit besteuerten.

Seit dem Scheitern des Steuerabkommens haben Tausende Deutsche mit Schwarzgeldkonten in der Schweiz straffrei Selbstanzeige erstattet. Dagegen wollen deutsche Politiker nun vorgehen: Die Parteichefs von SPD und CSU kündigten gestern an, das Instrument der Selbstanzeigen einschränken oder sogar ganz abschaffen zu wollen.

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