UBS Schweiz: Schwierige Geschäfte

Von Beat Schmid


Samstag, 04. Mai 2013 23:30


Lukas Gähwiler verpasst im Inland die Vorgabe von UBS-Konzernchef Sergio Ermotti.

Lukas Gähwiler ist unter Druck. Der Schweiz-Chef der UBS kommt mit seinen rund 10 000 Angestellten operativ nicht vom Fleck. Während seine Kollegen in der Geschäftsleitung im Investmentbanking und in der Vermögensverwaltung von reichen Kunden im ersten Quartal Traumresultate präsentieren konnten, legte Gähwiler enttäuschende Zahlen vor. «Die UBS Schweiz dümpelt vor sich hin», bilanziert ein Ex-Kadermann die Situation.

Zwar erwirtschaftet die Bank in der Schweiz nach wie vor sehr solide Zahlen und liefert jedes Quartal nahezu eine Milliarde Franken Einkommen ab. Doch die Richtung zeigt klar nach unten. Die Erträge schrumpften in den letzten zwei Jahren um knapp 5 Prozent auf 919 Millionen Franken. Das Kosten-Ertrags-Verhältnis erhöhte sich im gleichen Zeitraum um 6 auf 62 Prozent. Damit verpasste Lukas Gähwiler das von Konzernchef Sergio Ermotti vorgegebene Zielband um zwei Punkte.

Diese Überschreitung muss Gähwiler in den nächsten Quartalen korrigieren. Das geht nur, wenn er die Erträge steigert und/oder die Kosten senkt. Das Personal, der grösste Kostenblock einer Bank, musste bereits stark leiden. Vor zwei Jahren beschäftigte der Bereich Retail & Corporate von Gähwiler 11 545 Mitarbeiter. Ende März 2013 waren es 9652 – ein Minus von 16,4 Prozent. Zwar wird Gähwiler auch in den nächsten Monaten an der Optimierungsschraube drehen und weitere Entlassungen vornehmen. Doch die Zitrone ist langsam ausgepresst, die «Energie vieler Mitarbeiter nach der x-ten Restrukturierung am Boden», wie ein Mitarbeiter sagt. Zwar gelingt es der UBS, in der Schweiz wieder Boden gutzumachen. «Wir gewinnen Marktanteile zurück», sagte Finanzchef Tom Naratil diese Woche an der Quartalstelefonkonferenz. So ist an den Zahlen abzulesen, dass die Verpflichtungen gegenüber den Kunden deutlich zugenommen haben. Insgesamt erhöhte sich das neu geschaffene Geschäftsvolumen um 4,7 Prozent.

Damit liegt der Zuwachs deutlich über dem Wirtschaftswachstum der Schweiz. Doch unter dem Strich bleibt immer weniger liegen, die Margen befinden sich auf dem Sinkflug. Der UBS-Schweiz-Chef ist in einer ähnlichen Situation wie Pierin Vincenz von der Raiffeisen-Gruppe: Beide müssen sich vorwerfen lassen, viel leeres Stroh zu dreschen.

Anders ergeht es Geschäftsleitungskollege Jürg Zeltner, der die Abteilung Wealth Management führt, die vorwiegend sehr reichen Kunden massgeschneiderte Vermögensverwaltungslösungen anbietet. Im letzten Quartal konnte er Neugelder im Umfang von 15 Milliarden Franken anziehen. Damit befindet sich die wichtigste Abteilung der Bank wieder auf ähnlich hohem Niveau wie vor der Krise. Noch unter der Ägide von Marcel Ospel zog die Bank Neugelder herein wie ein Wal ganze Plankton-Schwärme.

Die UBS schlägt damit die Lokalrivalin Credit Suisse um Längen. Ulrich Meister und Robert Shafir, welche die Vermögensabteilung gemeinsam führen, konnten in der gleichen Zeit nur 5,5 Milliarden Neugelder anziehen. Als Walter Berchtold noch die Abteilung führte, generierte die CS ähnlich hohe Zuwachsraten wie die UBS heute.

Unklar ist, wie stark die Schweiz von diesem Zuwachs profitiert. Kunden können ihre Gelder sowohl in der Schweiz anlegen oder in anderen Buchungszentren über den Globus verteilen. Die UBS gibt jedoch nicht bekannt, ob ein asiatischer Milliardär sein Vermögen «offshore» in der Schweiz anlegt oder «onshore» in Singapur. Aus den Angaben lässt sich herauslesen, dass die Teams, die sich um europäische Kunden kümmern, nach drei von vier Quartalen mit Abflüssen endlich wieder einen Zuwachs um 1,3 Prozent erzielen konnten.

Das ist angesichts des ungelösten Schwarzgeldproblems, das den Schweizer Finanzplatz vor allem in Europa in Dauerkritik hält, doch einigermassen erstaunlich. Viele Kunden, gerade die sehr reichen, scheinen die Provokationen europäischer Politiker gar nicht zu hören. Sie interessiert allein die Performance und der Service.

Anzeige