1:12-Initiative: Swisscom müsste 5000 Löhne senken

Von Michael Heim und Patrik Müller


Samstag, 18. Mai 2013 23:30


CEO Carsten Schloter über die Umsetzung der Volksinitiative.

Die Swisscom hat die Folgen der 1:12-Initiative genau durchrechnen lassen. Würde die Initiative eingeführt, müssten rund 5000 Löhne angepasst werden, sagt Konzernchef Carsten Schloter der „Schweiz am Sonntag“. Dies, weil ein Absenken der höchsten Löhne auch zu einem Anpassen der darunter liegenden Saläre führen müsste, damit die Abstufung zwischen den Hierarchien besehen bliebe. «Das würde natürlich der Swisscom massiv schaden.» Schloter verteidigt das heutige Lohngefüge der Swisscom mit einer Spanne von rund 1:35. «Die Lohnschere hat sich in den acht Jahren, seit ich CEO bin, nicht geöffnet. Das zeigt, dass wir das Problem erkannt haben.»

Schloter warnt vor einem Zerfall des Zusammenhalts im Lande. Zwar sei die Lage noch bei weitem nicht so schlimm wie in Frankreich, wo er lange gelebt hatte. Doch man müsse diese Tendenzen ernst nehmen.

Kein Verständnis hat der Chef des halbstaatlichen Telekom-Unternehmens für die Kritik, welche die Kabelnetzbetreiber mit Blick auf die Sportübertragungen an der Swisscom üben. «Diese Haltung ist hochgradig zynisch», sagt Schloter über die Cablecom. Die Konkurrenz habe während Jahren «keinen Finger gerührt.» Nun da die Swisscom ein attraktives Angebot mache, werfe man ihr ungerechtes Verhalten vor. Der von der Cablecom dominierte Verband Swisscable hatte bei der Wettbewerbskommission (Weko) eine Anzeige gegen die Swisscom erstattet, weil diese Fussballspiele, die von der Swisscom-Tochter Teleclub produziert werden, exklusiv über Swisscom-TV verbreitet.

Abgeschlossen wurde inzwischen die interne Untersuchung zum Fall Huawei. Der Chinesische Lieferant fiel vor kurzem wegen der Beschäftigung von Schwarzarbeitern auf. Die Swisscom habe einen Plan B zu Huawei entworfen für den Fall, dass noch einmal eine Verfehlung passiere. «Bei der Legal compliance gibt es keine zweite Chance.»

Schloter bezeichnet sich im Gespräch mit der «Schweiz am Sonntag» selbst als Opfer der modernen Kommunikationsgesellschaft. «Ich stelle bei mir fest, dass ich immer grössere Schwierigkeiten habe, zur Ruhe zu kommen.» Gerade als Manager sei man immer unterwegs und könne sich nur unschwer aus dem Informationsfluss ausklingen. Auch das Auseinanderbrechen seiner Ehe vor ein paar Jahren habe nicht wirklich zu einer Änderung geführt, gibt Schloter zu. «Ich würde Ihnen gern sagen, dass ich Lehren daraus gezogen habe. Wenn es so wäre.» Er stehe noch immer unter dem Eindruck, dass er eigentlich weniger geschäftliche Verpflichtungen haben sollte.

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