Ein gewagtes Immobilien-Investment

Von Christian Mensch


Samstag, 23. August 2014 23:29

Business-Aktivist Sven Donhuysen. Foto: HO


Der Basler Unternehmer Sven Donhuysen übernimmt die Euro Grundinvest – gegen den Vorbesitzer wird ermittelt.

Sven Donhuysen, wohnhaft in Riehen, gebürtig von Krefeld (D) und mit prominentem Geschäftssitz am Basler Steinenberg, hat im Vorjahr das Büchlein «Der Business Aktivist» herausgegeben. Donhuysen, der sich als solcher versteht, ist gemäss Werbetext einer, der nicht nur «am laufenden Band neue Firmen und Produkte» lanciert, sondern auch «getrieben ist vom Verlangen, die Welt nicht nur zu verbessern, sondern im Zweifelsfall zu retten».

Zu einer Rettung ist Donhuysen in den vergangenen Wochen angetreten. Er übernahm die Gesellschaft IPF AG, die kurz zuvor wiederum die Münchner Euro Grundinvest Objekt Holding GmbH & Co. KG (EGI) übernommen hatte. Bei der EGI handelt es sich um ein verschachteltes Konglomerat von Immobilienfirma mit angeschlossenen Anlagefonds. Gemäss Eigendeklaration geht es um Immobilienprojekte im Wert von 160 Millionen Euro. Genaueres weiss man nicht. Eine detaillierte Recherche der deutschen «Wirtschaftswoche» hat jedoch zahlreiche Ungereimtheiten aufgedeckt. Und vor allem nachgerechnet, es bestehe keine Plausibilität, dass die versprochenen Renditen tatsächlich auch erwirtschaftet werden. Eine Recherche des Rechtsanwalts Stefan Forster der Münchner Kanzlei Wilhelm Lachmair und Kollegen ergab zudem, dass von den zahlreich angekündigten Bauprojekten bisher wenige realisiert worden sind.

Die Kanzlei ist der EGI auf der Spur, weil diese bisher zum grösseren Konglomerat des Münchners Malte Hartwieg gehörte. Hartwieg gründete am Fliessband Anlagefonds, deren Gelder teilweise spurlos verschwunden sind. Anleger klagen, gegen Malte Hartwieg wird ermittelt, am 15. Juli führte die Staatsanwaltschaft eine Hausdurchsuchung durch.

Donhuysen erklärt: «Malte Hartwieg war bei der Wahl seiner Geschäftspartner teilweise unglücklich.» Die in der «Wirtschaftswoche» vorgebrachten Vorwürfe konnte Donhuysen auf Nachfrage jedoch nicht entkräften. Es handle sich um eine äusserst komplexe Aufgabe. Er sagt: «Trotz der Ferienzeit arbeiten alle beteiligten Experten mit Hochdruck daran, Klarheit und Transparenz zu jedem einzelnen Investment zu schaffen». Dabei hiess es zunächst, der Übernahme sei eine dreimonatige Due Diligence vorangegangen. Nun wird eine detaillierte Information nach «Abschluss dieser Unternehmensprüfung» versprochen. Donhuysen ist nicht einmal sicher, ob die EGI bisher alle Zinszahlungen geleistet hat. Er gehe zwar davon aus, doch er schreibt: «Wir können zum jetzigen Zeitpunkt nicht konkret mitteilen, wie die Zinszahlungen getätigt wurden, da auch hier die Überprüfung noch nicht abgeschlossen ist.»

Donhuysen erweckt den Eindruck, als sei er eher zufällig auf die Möglichkeit aufmerksam geworden, die EGI aus dem zerfallenden Reich des Malte Hartwiegs herauszulösen. Dabei bestehen seit langem Kontakte etwa über den Finanzunternehmer Jörg Schmolinski. Dieser war im Hartwieg-Umfeld tätig und arbeitet mit Donhuysen bei der Henning Gold Mines Inc., einer kanadischen Goldminen-Gesellschaft, die mit deutschen Anlagefonds verknüpft ist.

Wie undurchsichtig dieses Geschäft aufgebaut ist, schilderte die «Schweiz am Sonntag» bereits im März 2013 unter dem Titel «Ein Mann im Goldrausch». Transparenter ist es seither nicht geworden. Im Mai dieses Jahres untersagte die Finanzaufsichtsbehörde von British Columbia sogar den Handel mit den Wertpapieren der Firma. Die Verfügung, die vorliegt, bemängelt, unabhängige technische Reports seien ausstehend, die für die Bewertung notwendig seien.

Für die Bewältigung der Finanzakrobatik hat Donhuysen kürzlich die Firma Leo Equity AG in Basel eingetragen. Er verwendete dafür den obsolet gewordenen Firmenmantel der Sterilos AG. Auch damit wollte Donhuysen schon die Welt retten: Sterilos entwickelte angeblich silberbeschichtete Röhren, die eine antibakterielle Wirkung hätten. Wer in Sterilos investiere, könne sein Geld verdoppeln, hiess es noch im Vorjahr. Es blieb beim Versprechen.

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