Paulo Balicha verteidigt sich

Andreas Maurer

Andreas Maurer ist Redaktor bei der «Schweiz am Sonntag».


Samstag, 12. Juli 2014 23:30

Der ehemalige Thaibox-Weltmeister Paulo Balicha bezieht Stellung. Foto: zvg/Archiv


Ex-Weltmeister Balicha versucht zu erklären, weshalb er auf seinen einstigen Schüler losging. Der Vorfall erscheint dadurch in einem neuen Licht.

Paulo Balicha (37) lässt seine Fäuste sprechen. Am 24. Februar taucht der mehrmalige Thaibox-Weltmeister unangemeldet im Reinacher Superpro-Sportcenter auf. Es ist die Kampfsportschule seines ehemaligen Schülers Shemsi Beqiri (28). Balicha platzt mitten in ein Training. Begleitet wird er von einer Gruppe Maskierter, selber zeigt er als Einziger sein Gesicht. Es entsteht ein Kampf ohne Schiedsrichter.

Die Polizei bilanziert mehrere Knochenbrüche und meldet, dass auch Waffen im Spiel gewesen sein sollen. Während Balicha im Untersuchungsgefängnis sitzt, geht Beqiri in die mediale Offensive. Mit gebrochener Nase zeigt er sich auf «Telebasel». Der «Basler Zeitung» gibt er ein Interview mit dem Titel «Balicha wollte mich eigenhändig umbringen». Die Rollen sind rasch verteilt: Balicha ist der Böse, Beqiri der Gute.

Nun schildert Balicha auf Anfrage der «Schweiz am Sonntag» zum ersten Mal seine Sicht. Vor anderthalb Monaten wurde er aus der Untersuchungshaft entlassen. Er streitet die Tat grundsätzlich nicht ab, widerspricht aber der Darstellung seines Kontrahenten. Balicha wirft Beqiri vor, bewusst «unwahre» Aussagen gemacht zu haben: «Shemsi Beqiri gefällt sich in der Rolle des Unschuldslammes.» Sein Strafregisterauszug zeige aber, dass diese Rolle nicht zu ihm passe.

Balicha versucht nun, sich selber in ein besseres Licht zu rücken. Er streicht seine Absicht hervor, einen fairen Zweikampf mit Beqiri geführt haben zu wollen. Als Beleg nennt er die Videoaufnahmen, die seine Mitstreiter machten und auf dem Kampfplatz hinterliessen. Die Beqiris übergaben die Aufnahmen der Staatsanwaltschaft. Die «Basler Zeitung» schrieb, dass sich das Vorhaben, den vermeintlichen Triumph zu filmen, als Bumerang erwiesen habe.

Balicha widerspricht: «Die Motivation, ein Video von den Vorkommnissen aufzunehmen, bestand darin, alles, was vorfällt, zu dokumentieren, da die Beqiris ja bekannt sind, Tatsachen zu verdrehen und sich in eine Opferrolle zu begeben.» Die Aufnahmen würden zeigen, dass weder Stich- noch Schusswaffen mitgenommen oder verwendet worden seien. Und er habe nicht wie behauptet Schlagringe getragen.

Balicha sagt, dass der Vorwurf, er habe Beqiri «eigenhändig umbringen» wollen, nicht stimme. Das Video belege, dass er Beqiri aufstehen liess, als dieser zu Boden ging. «Hätte ich eine Tötungsabsicht verfolgt, wäre ich nicht so vorgegangen», sagt Balicha.

Die Baselbieter Staatsanwaltschaft bestätigt dies indirekt. Sie ermittelt nicht wegen versuchter Tötung oder versuchten Mordes, sondern wegen versuchter schwerer Körperverletzung, Angriffs, Freiheitsberaubung, Nötigung und Hausfriedensbruchs. Wann die Anklageschrift dem Strafgericht überwiesen wird, kann die Staatsanwaltschaft nicht sagen. Sprecher Thomas Lyssy erklärt: «Das Verfahren rund um die Vorgänge im Kampfsportcenter Reinach ist sehr aufwendig.»

Die Schlägerei im Februar war der Höhepunkt einer langen Reihe von Konflikten. Balicha sagt, dass er und sein Umfeld vom «Beqiri-Clan» immer wieder provoziert, beleidigt und angegriffen worden seien, seit Beqiri und seine Brüder wegen «diverser Schwierigkeiten» aus Balichas Diamond Gym Basel auf dem Dreispitz verwiesen worden waren. Balicha sagt, dass er an diesem Februartag zu Beqiri gegangen sei, weil er ihn mit diesen Vorfällen konfrontieren wollte. Er habe damit gerechnet, dass die Aussprache in einem Kampf enden könnte. «Damit ein fairer Rahmen für diesen Zweikampf gewahrt bleibt, war ich in Begleitung von Dritten», sagt Balicha. In der Thaibox-Szene werden Probleme mit den Fäusten besprochen.

Die Reaktion von Beqiri: http://www.schweizamsonntag.ch/?show=news&type&id=5089&unlock_code=a7nIBfmUe1d43h58658g54i41CWrPZzGtyH2ZBWi7T54ttd

Anzeige