Sekte verschiebt Eröffnung

Von Corsin Zander


Samstag, 14. Februar 2015 23:30

Arbeiter montieren das Scientology-Kreuz an der geplanten Kirche. Foto: Martin Töngi


Scientology will Kirche nicht im Februar einweihen. Derweil reicht ein Nachbar Anzeige ein.

Die grosse Eröffnungsparty der Scientologen ist geplatzt: André Frauchiger, Sprecher des Tiefbauamtes, bestätigt eine Meldung von «Radio Basilisk», dass die Sekte das Gesuch für die Belegung des öffentlichen Grundes vor dem Gebäude an der Burgfelderstrasse zurückgezogen hat. Scientology wollte am 28. Februar mit rund 1000 Gästen die erste «Ideale Organisation» (Ideal Org) in der Schweiz einweihen. Weltweit gibt es bloss 39 solche Zentren. Das Eröffnungsdatum wollte die Sekte geheim behalten.

Nachdem die «Schweiz am Sonntag» letzte Woche das Datum publik machte, zog sie ihr Gesuch zurück. Als offizielle Begründung sagt Scientology-Sprecher Jürg Stettler: «Wir schaffen es mit den Inneneinrichtungen und Installationen nicht bis dahin.» Dabei sind die Arbeiten schon weit fortgeschritten. Letzte Woche wurden aus dem Ausland Scientology-Möbel angeliefert. Einzelne Mitarbeiter sassen im Gebäude hinter Laptops. Ein Schriftzug wurde über den Haupteingang montiert und seit Freitag prangt das Scientology-Kreuz an der Fassade. Im Innern arbeiten Handwerker hinter heruntergelassenen Rollos.

Die Scientology-Gegner zeigen sich flexibel. Mit den neusten Entwicklungen konfrontiert sagt Thomas Erlemann, Mitinitiant einer Protestkundgebung, sie seien jederzeit bereit, die Einweihung «mit allem, was Krach macht» zu stören. Die Anwohner protestieren auch auf anderer Ebene. Sie beschwerten sich bei der Polizei über eine Kamera am Gebäude, die den öffentlichen Grund filmt. Wie die Polizei bestätigt, suchte daraufhin ein Quartierpolizist mit der Scientology das Gespräch. Er habe sichergestellt, dass die Kamera gesetzeskonform ausgerichtet wird. Zudem sagt ein Anwohner, er habe eine Strafanzeige gegen einen Angestellten eines Sicherheitsdienstes eingereicht. Dieser habe ihn im Namen von Scientology «angegangen». Die Staatsanwaltschaft sagt lediglich, sie kommentiere keine Anzeigen von Privaten. Scientology bestreitet, einen Sicherheitsdienst zu beschäftigen.

Die Anwohner befürchten, auf dem 4000 Quadratmeter grossen Areal an der Burgfelderstrasse entstehe ein «Scientology-Zentrum». Patrick Schnidrig, der Präsident der Basler Scientologen, plant neben der Ideal Org ein Büro- und Wohngebäude, das Mitte 2017 fertiggestellt sein soll. Schnidrig schliesst nicht aus, dass einzelne Scientologen in das Gebäude ziehen, aber das Projekt stehe nicht in direkter Verbindung mit der Ideal Org. Auch der Architekt des Projekts Heinrich Degelo sagt: «Wir haben die Erklärung bekommen, dass der Auftrag nichts mit dieser Organisation zu tun hat.»

Wann die Eröffnung der Ideal Org stattfindet, bleibt unklar. Sicher ist: Wenn die Scientologen die Kirche wie geplant mit einem Fest auf öffentlichem Grund einweihen wollen, müssen sie dazu bei der Stadt ein Gesuch einreichen. Bis ein solches bearbeitet wird, dauert es «mindestens vier bis sechs Wochen», wie es beim Tiefbauamt heisst. Die grosse Scientology-Party findet in Basel also nicht vor Mitte März statt.

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