Michael Steiner ist seine Filmfirma los

Von Christian Mensch


Samstag, 24. Dezember 2016 23:29

Warten auf den nächsten Dreh: Regisseur Michael Steiner (rechts). Foto: Chris Iseli


Die Kontraproduktion AG ist überschuldet. Nun wird sie mit Firmen der Highlight Communications fusioniert.

Es war eine filmreife Rettung. Der Basler Medienunternehmer und Filmproduzent Bernhard Burgener investierte über die Highlight Communications 3,4 Millionen Franken, damit Regisseur Michael Steiner sein Werk «Sennentuntschi» fertigstellen konnte. Es sollte der Beginn einer produktiven Zusammenarbeit werden. Burgeners neue Constantin Film Schweiz wollte mit Steiners Kontraproduktion eine neue Ära im Schweizer Filmschaffen einläuten. Pläne gab es viele, realisiert wurde 2012 ohne Fortüne das «Missen Massaker».

Nun wird sichtbar, dass nicht nur der filmische Erfolg ausblieb, sondern auch der kommerzielle. Die Kontraproduktion weist per Ende November einen kumulierten Verlust von 3,7 Millionen Franken aus. Nur aufgrund des Rangrücktritts eines Gläubigers in Höhe von 3,2 Millionen Franken muss die überschuldete Firma nicht die Bilanzen deponieren. Ebenfalls einen Verlustvortrag von gut einer halben Million Franken weist die Constantin Film Schweiz auf.

Die Überschuldung bleibt
Die Geschäftszahlen wurden publik, da Burgener seine defizitären Schweizer Aktivitäten zusammengeführt hat und dafür die Bilanzen einsehbar beim zuständigen Handelsregister deponieren musste.

Insgesamt fusioniert Burgener vier Firmen: Neben der Kontraproduktion bringt er die Constantin Entertainment sowie die Mood Factory in die Constantin Film ein. Diese wird neu von Zürich aus als Constantin Film und Entertainment geführt. Auch die Mood Factory, die Burgener 2012 für den semiprofessionellen Big-Band-Leader Thomas Biasotto gründete, weist einen Verlust von 400 000 Franken auf.

Die neue Gesellschaft ist zwar weiterhin überschuldet. Gemäss Revisorenbericht genügt jedoch für eine ordnungsgemässe Fusion ein Rangrücktritt der Rainbow Home Entertainment, einem weiteren Firmenvehikel im Highlight-Orbit.

Norbert Preuss, Produzent der Kontraproduktion, sieht im Zusammenschluss nur Vor- und durch die finanzielle Schieflage keine Nachteile. Nun sei die Firma breiter aufgestellt und könne neben dem Film- auch im TV- und im Musikgeschäft auftreten.

Aufgeschobener Drehbeginn
Das Filmgeschäft bleibt harzig. Im Oktober 2015 erhielt das Duo Steiner/Burgener für das Projekt «Und morgen seid ihr tot» den ersten «Filmmaker Award» mit dem Preisgeld von 75 000 Franken. Die vier Millionen-Franken-Produktion, in der die wahre Geschichte zweier Schweizer in Geiselhaft der Taliban nacherzählt wird, sollte im laufenden Jahr abgedreht werden. Doch Preuss sagt: «Leider haben wir die Finanzierung noch nicht geschlossen.» Die letzten Koproduktion-Gespräche seien im Gange, sodass ein genauer Start der Dreharbeiten nicht bestätigt werden könne.

Als Filmer ist Steiner trotzdem nicht untätig geblieben. Er drehte zuletzt einen Imagefilm für den Zürcher Juwelier Jörg Domeisen sowie einen Werbespot für Ovomaltine.

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