Köppel-Komplex beim SRF

Patrik Müller

Patrik Müller ist Chefredaktor der Zeitung «Schweiz am Sonntag».


Samstag, 09. Januar 2016 23:30


SVP-Nationalrat Roger Köppel ist morgen zum sechsten Mal bei Roger Schawinski zu Gast und auch sonst dauerpräsent auf SRF.

Diese Woche schaltete Donald Trump seinen ersten TV-Spot. Der Milliardär, der US-Präsident werden will, buchte die Werbung kostengünstig bei kleinen Lokalsendern. Doch was geschah? Alle grossen TV-Sender thematisierten den Spot in ihren Nachrichten. Das gab Trump nationale Abdeckung. Gratis. Die Fernsehsender, kommentierte die «Financial Times», seien – obwohl sie Trump kritisch bis vernichtend beurteilen – seine grössten Wahlhelfer, weil sie jede Regung von ihm skandalisieren und zum Thema machen.

Ein ähnliches Phänomen lässt sich, im Kleinformat, in der Schweiz beobachten. Der Wähleranteil der SVP unter Journalisten des Schweizer Fernsehens dürfte ähnlich hoch sein wie Trumps Sympathiewerte unter US-Fernsehleuten. Nahe bei null. Im Fall von SVP-Nationalrat Roger Köppel sogar unter null. Auch, weil er ein SRG-Kritiker ist und die Billag-Gebühren abschaffen will. Doch das SRF rückt keinen Politiker so oft ins Bild wie Roger Köppel. Talkmaster Roger Schawinski arbeitet sich morgen zum sechsten Mal an ihm ab. «10vor10» interviewte Köppel diese Woche, weil sich ein paar SVPler über die «Weltwoche» beschwerten (breaking news!). Köppel war Gast in der «Arena» nach den Wahlen. Köppel wurde vom SRF an seinem ersten Sessionstag begleitet. Köppel zog auf SRF nach seiner ersten Sessionswoche Zwischenbilanz. Köppel zog auf SRF nach der dritten Sessionswoche Schlussbilanz.

Nichts gegen Roger Köppel. Er hat etwas zu sagen, ist eloquent und telegen. Aber seine Omnipräsenz sagt nicht nur etwas aus über ihn, sondern auch über das SRF: Seine Fixierung auf den SVP-Star ist Ausdruck eines Komplexes, der näher zu untersuchen wäre. Dr. Samuel Stutz, wo sind Sie?

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