Geheimplan um «Swiss Award»

Von Sacha Ercolani


Samstag, 02. Januar 2016 23:29

2014: Bundesrat Didier Burkhalter. Foto: Keystone


Ist die Sparmassnahme beim «Schweizer des Jahres» nur eine Protest-Übung der SRG?

Mit Produktionskosten von über 700 000 Franken ist die TV-Gala «Swiss Award», die im Januar 2003 erstmals ausgestrahlt wurde, zu teuer – sie wird weggespart, wie die SRG mitgeteilt hat. An diesem Entscheid gibt es gemäss SRF-Sprecherin Eva Wismer nichts zu rütteln: «Am 9. Januar strahlt SRF den letzten Swiss Award aus», sagt sie.

So ganz loslassen will man die Idee des beim Publikum vor allem wegen der Millionenlos-Ziehungen beliebten TV-Formates aber offenbar doch nicht. Gemäss Recherchen der «Schweiz am Sonntag» liess die SRG erst kürzlich «Schweizer des Jahres» beim Institut für Geistiges Eigentum (IGE) in Bern als Marke schützen. Die SRG besitzt also mindestens für die kommenden 10 Jahre das ausschliessliche Recht, über die Marke «Schweizer des Jahres» zu verfügen und Lizenzen an andere Fernsehstationen oder Unternehmen zu erteilen. Die Gebühr für die Hinterlegung für die gesamte Schutzdauer beträgt lediglich 550 Franken.

Beim SRF bestätigt man die Registrierung: «‹Schweizer des Jahres› wurde von der SRG als Marke hinterlegt. Die Eintragung ins Markenregister wird zu Beginn des Jahres 2016 erwartet», sagt Sprecherin Eva Wismer. Diese Massnahme bedeute jedoch nicht, dass die Show nicht weggespart werde. Dass man im Leutschenbach kurz vor dem Aus der Samstagabend-Gala noch einen zehnjährigen Schutz dafür beantragt, gibt Anlass zu Spekulationen. Ist die Sparmassnahme beim Swiss Award nur eine Protest-Übung und kommt es in ein paar Jahren zur Auferstehung der Gala? Oder wird die Verleihung des «Schweizers des Jahres» in eine andere SRF-Show integriert? Das bleibt vorerst geheim: «Es sind auch nach der Absetzung der Show Nutzungen der Marken Schweizer des Jahres beziehungsweise ‹Swiss Award› denkbar», sagt Wismer lediglich. Zudem habe man «Swiss Award» bereits seit längerem als Marke geschützt. Erhalten bleiben soll auch die Ehrentafel mit den eingravierten Namen aller Gewinnerinnen und Gewinner des Titels «Schweizer des Jahres», welche auf der Älggi-Alp (im Kanton Obwalden) steht.

Fakt ist: Der Staatssender will das Monopol über die Ehrung des «Schweizers des Jahres» und verunmöglicht es mit seinem Vorgehen, dass Private wie beispielsweise TeleZüri oder 3+ in die Bresche springen und künftig in einer eigenen Show den Schweizer oder die Schweizerin des Jahres küren.

Als Top-Favoriten für die begehrte Auszeichnung in der Show vom kommenden Samstagabend (ab 20.10 Uhr auf SRF1) gelten Mundartrock-Sänger Polo Hofer (70) und Tennis-Star Stan Wawrinka (30).

Die Schweizerin oder der Schweizer des Jahres wird von den Zuschauern mittels Televoting gewählt – 7 von den bisher 13 ausgezeichneten kamen aus dem Bereich Sport.

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