Schweizer Star-Model: Zu dick für den Laufsteg in Paris

Von Sacha Ercolani


Samstag, 20. Februar 2016 23:30

Zu breite Hüfte: Vivienne Rohner muss auf einen Auftritt in Paris verzichten. Foto: SAM SSEFA


Mager-Models sind in Frankreich verboten – Designer halten sich jedoch nicht an das neue Gesetz.

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In wenigen Wochen präsentieren die internationalen Designer in Paris ihre neuesten Kollektionen. Auch Vivienne Rohner aus Meilen am Zürichsee hofft auf zahlreiche Laufsteg-Einsätze in der Modemetropole. Die 17-Jährige stand letztes Jahr für die Stardesigner Vivienne Westwood (74) oder Karl Lagerfeld (84) im Einsatz. Dieses Jahr droht der Traum nun zu platzen. Mit einem Hüftumfang von 91 Zentimetern ist sie plötzlich zu dick: «Ich war selber überrascht, als mir meine Partneragentur in Paris diese Woche mitteilte, dass die Mehrheit der Designer nur Mädchen mit einen Hüftumfang von maximal 88 Zentimetern buchen», sagt Ursula Knecht (52), Inhaberin von Option-Models Zürich.

Knecht, die das Geschäft schon seit 30 Jahren kennt und bekannte Models wie Nadine Strittmatter (31), Patricia Schmid (31) oder Ronja Furrer (24) entdeckte, ist besorgt: «Um den Vorstellungen der Designer gerecht zu werden, müsste Vivienne die nächsten Wochen hungern. Das kann und will ich ihr unmöglich zumuten.» Man werde jetzt alles daransetzen, damit Rohner an den Mode-Wochen in London und Mailand zum Zug komme. Auch bei der weltbekannten Model-Agentur «Elite» in Paris bestätigt man gegenüber «Schweiz am Sonntag» am Telefon, dass 2016 in Paris nach wie vor «äusserst schlanke Models gefragt sind».

«Viele Agenturen sind völlig verunsichert»

Dabei sollte dieses Jahr alles anders werden: Das Parlament erliess im letzten November ein Gesetz, das zu magere Models verhindern soll. Um auf französischen Modeschauen oder bei Fotoshootings arbeiten zu können, brauchen Models in Frankreich künftig eine medizinische Bescheinigung, dass ihr Gesundheitszustand mit dem Beruf vereinbar ist. Zentral ist dabei der Body-Mass-Index (siehe Box). Wer Models ohne Bescheinigung beschäftigt, dem drohen sechs Monate Gefängnis und umgerechnet 80 000 Franken Strafe. Gemäss Marc Lamour von «Elite Paris», seien viele Agenturen völlig verunsichert. Noch habe kein einziges Model eine medizinische Bescheinigung, so der Manager. Wann und wie das Gesetz umgesetzt werde und wer es kontrolliere, sei noch offen.

Ursula Knecht meint dazu: «Dass die französischen Politiker die Models schützen wollen, finde ich super. Doch um in der Branche wirklich komplett etwas zu ändern, müsste das Gesetz auch in New York, London und Mailand eingeführt werden. Das dies je soweit kommt, bezweifle ich.» Längst schweigen nicht mehr alle Models und appellieren an die Vernunft der Designer. Erst kürzlich rechnete das erfolgreiche Model Ronja Furrer, Freundin von Star-Rapper Stress (38), mit der Branche ab: Obwohl sie gertenschlank ist, musste sich die Solothurnerin in der Branche oft anhören, sie sei zu dick. Furrer vermutet, das liege daran, dass die vielen Schwulen im Business Kurven nicht mögen.

Die 17-Jährige stand letztes Jahr für die Stardesigner Vivienne Westwood (74) oder Karl Lagerfeld (84) im Einsatz.

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