Google-Chef: «Alle lieben Zürich»

Patrik Müller

Patrik Müller ist Chefredaktor der Zeitung «Schweiz am Sonntag».


Samstag, 23. Januar 2016 23:28

«Everybody loves Zurich»: Büro von Google. Foto: HO


Eric Schmidt gibt Entwarnung für den Schweizer Standort: Es werde weiter ausgebaut

Kommt das sagenhafte Job-Wachstum von Google in Zürich zu einem Ende? 1600 Stellen hat der US-Internetkonzern in der Limmatstadt geschaffen, seit er hier vor elf Jahren die ersten Büros eröffnete. Inzwischen ist Zürich der weltweit drittgrösste Standort, hinter dem Hauptsitz in Mountain View (Kalifornien) und New York. Doch vor einem Monat berichtete die «NZZ am Sonntag» von «harscher Kritik am Standort Zürich». Zürich büsse an Attraktivität ein, er verliere Stellen nach London. Die Zeitung zitierte Julien Borel, einen Schweizer Ingenieur, der am Google-Hauptsitz arbeitet. In Zürich bekomme Google keine Arbeitsbewilligungen mehr für Ausländer von ausserhalb der EU, sagte Borel. Weiter kritisierte er, dass man die Arbeitszeiten erfassen müsse: Das töte jeden Unternehmergeist.

Die «Schweiz am Sonntag» sprach den obersten Google-Verantwortlichen am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos auf die Kritik an. Eric Schmidt, langjähriger Google-Chef und seit August 2015 Chef der neuen Google-Muttergesellschaft Alphabet, kennt den Standort Zürich gut. «Ich war viele, viele Male dort», sagt er. In Zürich investiert zu haben, sei ein Glücksfall: «Das war die beste Entscheidung, die wir je getroffen haben», sagt Schmidt. Auf die Frage, ob Google in Zürich künftig weniger wachsen werde, weil es schwierig sei, Ausländer zu rekrutieren, antwortet Schmidt: «Schauen Sie: Everybody loves Zurich. Der Standort hat sich sehr gut entwickelt, und er wird sich weiterhin sehr gut entwickeln.» Schmidts Fazit: «Zürich ist und bleibt für uns ein riesiger Erfolg.»

Die Deutlichkeit, mit der sich Schmidt zum Standort Zürich bekennt, zeigt, dass er nicht nur Höflichkeiten kommuniziert. Explizit verweist er auf Urs Hölzle, den 51-jährigen Baselbieter, der bei Google für die weltweite IT-Infrastruktur und die Datenzentren verantwortlich ist. Hölzle sei es gewesen, der Zürich als Standort ausserhalb der USA vorgeschlagen habe, sagt Schmidt. Der Schweizer ist heute, nach den beiden Gründern Sergej Brin und Larry Page, der dienstälteste Google-Mitarbeiter. Hölzle studierte an der ETH Zürich Informatik und promovierte 1994 in Stanford. An der Elite-Universität lernte er Brin und Page kennen, die ihn 1999 – da war er bereits Professor für Computerwissenschaften – als Programmierer zu Google holten.

Letztlich hat Zürich den Google-Standort also dem Liestaler Hölzle zu verdanken. Heute wird auf dem Hürlimann-Areal Google Maps, der Kartendienst, weiterentwickelt. Aber auch für Gmail und Youtube arbeiten dort Hunderte von Angestellten.

2004 begann alles mit einem Zwei-Mann-Büro am Limmatquai, ein Jahr danach waren es 70 Mitarbeiter – und dann kamen jedes Jahr durchschnittlich über 100 neue dazu. Auch das Hürlimann-Areal wurde schliesslich zu klein. Seit wenigen Monaten bezieht Google schrittweise Büroräume in der neuen SBB-Überbauung Europaallee beim Hauptbahnhof. Platz hat es genug, theoretisch könnte Google dort bis zu 5000 Leute unterbringen.

Anzeige