Migros-Chef Bolliger fährt den Bauern an den Karren

Von Beat Schmid und Michael Heim


Samstag, 13. Dezember 2014 23:30

«Abschottung ist ein Schuss ins eigene Bein»: Herbert Bolliger. Foto: Tanja Demarmels


Die Abschottungspolitik schade dem Schweizer Detailhandel und vertreibe die Kundschaft.

Herbert Bolliger, der Chef des grössten Detailhändlers Migros, kritisiert die Landwirtschaftspolitik der Schweiz. Das Pendel habe zurückgeschlagen, sagt er im Interview.

Während Bundesrätin Doris Leuthard als Wirtschaftsministerin noch versucht habe, die Märkte zu öffnen, gelinge es den Bauern unter Leuthard-Nachfolger Johann Schneider-Ammann zunehmend wieder, den Markt geschickt abzuschotten. «Dabei geht es ihnen nicht um mehr Qualität oder Swissness, wie sie sagen, sondern vielmehr um Protektionismus.» Das sei jedoch ein Schuss ins eigene Bein, so Bolliger. Die Preisdifferenz zum Ausland für Lebensmittel steige weiter an. «Am Schluss schrumpft die Produktion in der Schweiz, weil die Konsumenten ins Ausland flüchten.»
Die Schweiz hat heute die höchsten Fleischpreise Europas, wie Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen. Fleisch kostet hierzulande 120 Prozent mehr als im EU-Schnitt. Bereits in Norwegen, dem zweitteuersten Land, sind die Preise deutlich tiefer.

Migros-Chef Bolliger outet sich im Gespräch als dezidierter Gegner der Energiewende. «Ich halte es für falsch, wie in Deutschland mit einem Kraftakt eine Wende zu erzwingen», sagt er. Bolliger kritisiert die Unterscheidung in verschiedene Stromsorten. Er sehe keinen Sinn darin, «so genannten Ökostrom» zu kaufen. Die Migros beschaffe ihren Strom strikt nach Preis. «Ob Atom- oder Wasserstrom. Aus der Dose kommt immer ein Mix.»

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