ETH plant Ausländer- Quote

Yannick Nock

Yannick Nock ist Redaktor bei der Zeitung «Schweiz am Sonntag».


Samstag, 18. Oktober 2014 23:30

Zu viele Studenten: Die ETH Lausanne stösst an ihre Grenzen. Foto: Keystone


Ein Numerus clausus sei unumgänglich, sagt ETH-Präsident Patrick Aebischer.

Die Studentenzahlen sind in den vergangenen Jahren explodiert. Studenten aus aller Welt strömen in die Schweiz, besonders an die ETH Zürich und die ETH Lausanne. Erst vor wenigen Wochen verzeichnete die ETH Zürich mit 2800 Erstsemestrigen einen Allzeitrekord. Doch die weltweite Strahlkraft hat ihren Preis. Beide Hochschulen stossen an ihre Grenzen.

Nun hat der ETH-Rat, der die Strategie der beiden Hochschulen festlegt, reagiert und an seiner letzten Sitzung eine Gesetzesänderung beantragt. Die Hochschulen sollen künftig die Zulassung für ausländische Studenten beschränken können, wenn das aus Kapazitätsgründen nötig wird. Neu soll dies bereits für erstsemestrige Bachelor-Studenten gelten. Ein entsprechender Antrag wurde dem Eidgenössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung übergeben.

Bisher hatten die Schulleitungen die Möglichkeit, beim ETH-Rat einen solchen Numerus clausus für Ausländer im höheren Bachelorstudium oder dem Masterstudium zu beantragen. Das war bislang nicht nötig. Allerdings sind es in der Regel nicht die höheren Semester, die Universitäten an ihre Grenzen treiben. Vielmehr sind es Studienanfänger, welche die Anforderungen nicht erfüllen. Sie müssen erst ausgesiebt werden. Im Durchschnitt bricht jeder Dritte sein Studium ab.

Beide Eidgenössischen Hochschulen sind bei ausländischen Studenten besonders beliebt. Schweizweit liegt ihre Quote bei 29 Prozent – an der ETH Lausanne bei 52. Damit stammt jeder zweite Student aus dem Ausland. Mit insgesamt 10 000 Studierenden sei die Kapazitätsgrenze des Campus fast erreicht, sagt Patrick Aebischer, Präsident der ETH Lausanne. Er begrüsst deshalb die neuen Möglichkeiten, die ihm der ETH-Rat einräumen will. «Ein Numerus clausus für ausländische Studierende ist unumgänglich», sagt Aebischer. Das sei die einzige Möglichkeit. «Wir wollen nicht mehr als 10 000 Studenten».

Dieses Wachstum ist unter anderem auf die Bologna-Reform, auf die demografische Entwicklung und auf die grosse Anziehungskraft der Schweizer Hochschulen zurückzuführen.

Mehrere Universitäten haben bereits die Option, eine Ausländerbeschränkung einzuführen, machen aber nicht davon Gebrauch. Einzig die Universität St. Gallen (HSG) hat bereits vor vielen Jahren eine Ausländerquote eingeführt. Sie liegt bei 25 Prozent. An der ETH Lausanne dürfte sie dereinst höher sein. Doch noch ist nichts entschieden. Frühestens 2017 wird die Änderung in Kraft treten. Der ETH-Rat empfiehlt, die Schranken nur dann zu schliessen, wenn aufgrund drohender Kapazitätsengpässe keine andere Lösung möglich ist.

Auch die ETH Zürich hatte zuletzt mit Engpässen zu kämpfen. Das Wachstum der letzten Jahre sei aber durchaus gewollt gewesen, sagt der Präsident der ETH Zürich, Ralph Eichler. Dies gelte besonders im Hinblick auf den herrschenden Ingenieurmangel. Eichler hebt in der geplanten Änderung des ETH-Gesetzes aber den grösseren Handlungsspielraum hervor. Deshalb schliesst er die Optionen nicht aus, sollte die Entwicklung eine Beschränkung erforderlich machen.

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