Schweizer Studie will Mord an Arafat beweisen

Von Corsin Zander


Samstag, 26. Dezember 2015 23:29

Palästinenserführer Yassir Arafat (undatierte Aufnahme). Foto: Keystone


Forscher der Uni-Klinik Lausanne bekräftigen die Theorie, wonach der Palästinenserführer Yassir Arafat mit radioaktivem Polonium vergiftet wurde

Die Lausanner Expertengruppe vom Institut für Radiophysik der Uni-Klinik kommt in einer kürzlich veröffentlichten Studie zum Schluss: «Unser forensischer Expertenbericht unterstützt das Ergebnis bedingt (‹moderately›), dass Herr Arafat mit Polonium 210 vergiftet wurde.» Der in der Fachzeitschrift «Forensic Science International» erschienene Artikel stützt vorangehende Berichte der Expertengruppe, die zu ähnlichen Erkenntnissen gekommen waren.

2012 hatten die Schweizer Forscher bereits ungewöhnlich hohe Werte des radioaktiven Plutoniums in persönlichen Gegenständen wie der Zahnbürste und Kleidern von Arafat nachgewiesen. Vergleichbar hohe Mengen waren 2006 beim bisher einzigen bekannten Mord mit Plutonium am ehemaligen russischen Spion Alexander Litwinenko festgestellt worden. Daraufhin erstattete Arafats Wittwe in Frankreich Anzeige wegen Mordes. Aufgrund dieser Anzeige wurde Arafats Leichnam exhumiert, und drei getrennte Expertenteams untersuchten Gewebeproben.

Französische und russische Experten schlossen die Ermordung aus. Arafat sei eines natürlichen Todes gestorben. Die festgestellten Plutoniumwerte erklärten sie mit dem in der Umwelt natürlich vorkommenden Gas Radon, das ebenfalls eine hohe Konzentration von Polonium 210 verursachen könne. Zu dieser Erklärung gelangten sie unter anderem, weil beim Tod Arafats 2004 nicht alle Symptome akuter Radioaktivität auftauchten. Zwar hatte er über Bauchschmerzen, Durchfall und Übelkeit geklagt, und sein Gesundheitszustand hatte sich in kurzer Zeit dramatisch verschlechtert, aber typische Symptome wie Haarausfall, wie er bei Litwinenko aufgetaucht war, waren ausgeblieben.

In ihrer kürzlich veröffentlichten Studie bringen die Schweizer Wissenschafter nun die neue Möglichkeit ins Spiel, dass Arafat mehrmals in regelmässigen Zeitabständen kleinere Dosen von Plutonium verabreicht wurden. Deshalb soll sich die tödliche Konzentration des radioaktiven Materials anders ausgewirkt haben als bei Litwinenko.

Ob die Mordermittlungen aufgrund der neuen Studie nun wieder aufgenommen werden, ist noch unklar. Die zuständigen französischen Richter hatten den Fall Anfang September diesen Jahres zu den Akten gelegt, da sie keine Beweise für die Vergiftung Arafats sahen.

Neue Anschuldigungen hatte anlässlich des Todestages von Arafat am 11. November 2015 auch ein palästinensisches Ermittlungskomitee erhoben. Als Verantwortlichen nannte es Israel. Allerdings würden die Ermittlungen noch weiter andauern, um die genauen Umstände des Todes von Arafat zu klären. Zu weiteren Details äusserte sich das Komitee damals nicht.

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