Sepp Blatter soll Präsident der Fifa bleiben

Patrik Müller

Patrik Müller ist Chefredaktor der Zeitung «Schweiz am Sonntag».


Samstag, 13. Juni 2015 23:30

Sepp Blatter nach seiner Wahl am 29. Mai. Foto: Keystone


Afrikaner und Asiaten lobbyieren für den Walliser – prominenter Spitzenanwalt bei der Fifa.

Voraussichtlich im Dezember findet der ausserordentliche Fifa-Kongress statt, an dem der Nachfolger von Sepp Blatter gewählt werden soll. Aus dem engsten Umfeld von Blatter heisst es nun, dass Verbände aus Asien und Afrika verhindern wollen, dass der 79-Jährige wie von ihm angekündigt vorzeitig zurücktritt. Erst vor gut zwei Wochen war er klar als Fifa-Präsident wiedergewählt worden. Eine Blatter-nahe Quelle sagt, der Präsident fühle sich über die Unterstützungsbekundungen geehrt und schliesse in der Tat nicht aus, sein Amt fortzuführen.

Keiner der bisher genannten Kandidaten, darunter der Brasilianer Zico, kann gemäss der Einschätzung von Fifa-Kennern im Kongress eine Mehrheit hinter sich bringen. PR-Berater Klaus J. Stöhlker, der von Januar bis Ende Mai Blatters persönlicher Berater war und ihn bei der Wiederwahl unterstützte, sagt: «Es ist schwer, jemanden zu finden, der ebenbürtig ist. Blatter hat den Verband zu einem globalen, sehr erfolgreichen Konzern aufgebaut – und er ist ein Spitzendiplomat.» Für Stöhlker ist darum klar: «Blatter hat eine faire Chance. Es kommt nun drauf an, wie er sich in den nächsten Monaten verhält.» Und Stöhlker betont: «Blatter ist der gewählte Präsident.» Am Fifa-Hauptsitz beobachtet man, dass Blatter seit einigen Tagen wieder bester Laune und voller Tatendrang ist.

Kommt also der Rücktritt vom Rücktritt? Dass das nicht auszuschliessen ist, war gemäss Informationen der «Schweiz am Sonntag» auch ein Grund dafür, dass Fifa-Mediendirektor Walter de Gregorio sein Amt diese Woche per sofort niedergelegt hat. Er plädierte intern für einen Neuanfang in jeder Hinsicht und riet Blatter zum sofortigen Rücktritt. Zwischen ihm und Blatter gab es dazu unüberwindbare Differenzen. De Gregorio will sich auf Anfrage dazu nicht äussern: «Kein Kommentar.»

Seit der Verhaftung mehrerer Fifa-Funktionäre in Zürich wird darüber gerätselt, auf welche Top-Anwälte der Weltfussballverband setzt, um das Schlimmste abzuwenden. Denn sollten sich die Vorwürfe des US-Justizdepartements bewahrheiten und nachweisbar sein, dass Korruption bis in die obersten Chefetagen praktiziert oder geduldet wurde, drohen der Fifa eine Anklage in den USA und eine Milliardenbusse («Schweiz am Sonntag» von letzter Woche). Gemäss Recherchen ist Star-Verteidiger Lorenz Erni für die Fifa im Rennen. Er nahm am vergangenen Donnerstag am Fifa-Hauptsitz in Zürich an einer Sitzung teil. Von der Zeitung auf ein Fifa-Mandat angesprochen, sagte er nur: „Ich schnuppere hier frische Luft.“ Erni gilt als Mann, der alle Prozesse gewinnt. Ex-Swissair-Chef Philippe Bruggisser, Ex-Bankier Oskar Holenweger, Ex-Unternehmer Rolf Erb und Oligarch Viktor Vekselberg setzten auf Erni – mit Erfolg. Und nicht zuletzt Roman Polanski, der US-Filmregisseur, dessen Fall eine Parallele zu den Verhaftungen von Fifa-Funktionären Ende Mai zeigt: Auch er wurde auf Geheiss der US-Justizbehörden in der Schweiz verhaftet, musste aber am Ende wieder freigelassen werden – die Schweiz lehnte Polanskis Auslieferung ab. Lorenz Erni hatte auch ihn herausgeboxt. Fifa-Sprecherin Delia Fischer will sich zu Namen nicht äussern, sondern sagt nur: «Generell werden alle juristischen Fragen bei der Fifa von unserer Division Rechtsdienst bearbeitet, die in bestimmten Fällen von externen Anwaltskanzleien unterstützt wird.»

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