Neues Projekt: Olympische Spiele im ganzen Land

Simon Steiner

Simon Steiner ist Redaktor bei der Zeitung «Der Sonntag».


Samstag, 30. Januar 2016 23:30

Soll die Schweiz nach 1928 und 1948 in St. Moritz zum dritten Mal Olympische Winterspiele austragen? Interessenten gibt es genug. Foto: Keystone


Die Winterspiele sollen 2026 in der Schweiz stattfinden – ausgehend von einer Stadt im Mittelland

Noch hat Swiss Olympic nicht entschieden, ob eine Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2026 eingereicht werden soll. Eine Arbeitsgruppe legt zurzeit erst die Rahmenbedingungen einer allfälligen Schweizer Bewerbung fest. Doch der Positionskampf unter möglichen Austragungsregionen ist bereits in vollem Gang: In Graubünden haben Wirtschaftsverbände ein Projekt lanciert, im Wallis treibt der Architekt und FC-Sion-Präsident Christian Constantin eine Kandidatur voran. Zudem hat sich am Genfersee eine Interessengruppe formiert.

Wie nun publik wird, liegt bei Swiss Olympic ein weiterer Projektvorschlag auf dem Tisch. Die Grundidee: eine gesamtschweizerische Kandidatur. Das Konzept der IG Switzerland 2026 – wie sich die Gruppe der Initianten nennt, ist dezentral ausgerichtet und stützt sich stark auf die bestehende Infrastruktur in der Schweiz ab. Neben einer Gastgeberstadt (Host City) und Wettkampfstätten für die Eissportarten im urbanen Mittelland sollen primär die Austragungsorte der traditionellen Wintersport-Veranstaltungen zum Zug kommen – von Graubünden über die Zentralschweiz und das Berner Oberland bis ins Wallis.

Die Unterbringung eines Grossteils der Besucher und Teilnehmer ist in grösseren Agglomerationen vorgesehen, die Anreise zu den Wettkämpfen vorwiegend mit dem öffentlichen Verkehr. Auf diese Weise sollen viele Regionen von den Spielen profitieren, die Belastung der einzelnen Austragungsorte aber zugleich so gering wie möglich gehalten werden können.

Das Projekt schliesst damit an die Agenda 2020 an, in welcher das Internationale Olympische Komitee (IOC) unter seinem Präsidenten Thomas Bach die Rahmenbedingungen für nachhaltigere Spiele als in der Vergangenheit skizziert hat. Noch bei der Kandidatur für die Winterspiele 2022, die von der Bündner Bevölkerung im März 2013 abgelehnt wurde, hatte das IOC eine Konzentration auf wenige Austragungsorte verlangt.

«Wenn wir die Olympischen Spiele nicht jetzt in die Schweiz holen, wann dann?», fragt Kurt Iseli, der Initiant der IG Switzerland 2026. Der mit Wintersport-Infrastrukturen vertraute Bauingenieur und erfahrene Organisator von Sportveranstaltungen hat es sich zum Ziel gesetzt, einer gesamtschweizerischen Kandidatur Gehör zu verschaffen. «Weil dieser Idee eine regionale Lobby fehlt, setze ich mich für sie ein», sagt Iseli, der inzwischen ein breites Unterstützungskomitee aus den meisten politischen Parteien hinter sich weiss.

Wie gross die Chancen für das Projekt sind, hängt nicht zuletzt davon ab, wie die Agenda 2020 umgesetzt wird und wie viel Dezentralisierung beim IOC tatsächlich erwünscht ist. Klar ist, dass das IOC nach wie vor eine Stadt als Host City verlangt. Die Initianten sind im Gespräch mit den Behörden mehrerer Orte, wobei aufgrund von Grösse und Lage primär Zürich, Bern und Luzern infrage kommen dürften.

Die Kosten dürften dank dem Fokus auf bestehender Infrastruktur vergleichsweise gering ausfallen. Bei den Sportanlagen dürften der Bau einer Eisschnelllauf-Halle oder die Erneuerung von Skisprung-Schanzen die grössten Investitionen darstellen. Unterkünfte sollen dort geplant werden, wo eine sinnvolle Nachnutzung gewährleistet ist.

Am 11. März wird Swiss Olympic die Rahmenbedingungen für eine eventuelle Schweizer Kandidatur bekannt geben. Danach beginnt der nationale Bewerbungsprozess. Auf einen Kampf will sich die IG Switzerland 2026 allerdings nicht einlassen. «Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu anderen Projekten», sagt der Solothurner Alt-Kantonsrat Markus Schneider als IG-Sprecher: «Wir wollen einen Beitrag leisten zum Gelingen einer schweizerischen Kandidatur.»

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