Wie der FC Basel Steuern in Millionenhöhe spart

Von Christian Mensch


Samstag, 05. März 2016 23:30

Clever mit den Finanzen gespielt: Bernhard Heusler, Präsident der FC Basel Holding. Foto: FRESHFOCUS/Andreas Meier


Präsident Bernhard Heusler hat seine Mehrheit an der FC Basel Holding abgegeben und Aktien zum Steuerwert an seine Vereinskollegen verkauft.

Vor vier Jahren übernahm Bernhard Heusler überraschend 91 Prozent der Aktien der FC Basel Holding von der Mäzenin und damaligen FCB-Präsidentin Gigi Oeri. Doch die Mehrheit hat er mittlerweile abgegeben. Er halte nur noch eine «gewichtige Minderheit» der Aktien. Den Rest habe er an «Personen mit operativer und/oder strategischer Leitungsverantwortung im FCB» verkauft, sagt Heusler. Also an seine Kollegen im Vorstand.

Der Holding gehören drei Viertel der FC Basel AG, die den Profibetrieb des Klubs führt. Ein Viertel der Aktien liegt beim Verein, der den Nachwuchs- sowie den Frauenfussball verantwortet. Wem die Holding gehört, dem gehört der FCB.

Die Konstruktion geht auf das Jahr 2006 zurück, als die Nationalliga zur Auflage machte, dass der Profifussball im Kleid einer Aktiengesellschaft (AG) betrieben werden müsse, eine einfache Vereinsstruktur genüge nicht mehr. An einer ausserordentlichen Generalversammlung stimmten die Vereinsmitglieder mit grossem Mehr einem Konstrukt zu, das ihnen Heusler vorstellte: Der Verein bringe eine halbe Million Franken sowie das FCB-Logo und die FCB-Historie in den Verein ein, die Holding, die damals als FC Basel Marketing AG firmierte, steuere Transferrechte in Höhe von 6 Millionen Franken bei. Daraus resultiere ein Verhältnis von 25 zu 75 Prozent an der neuen Firma zugunsten der Holding.

Ein Vereinsmitglied kritisierte die Machtkonzentration und fragte besorgt, was geschehe, wenn Gigi Oeri, die damals starke Frau im Klub, zurücktreten sollte. Oeri beschwichtigte gemäss Protokoll: Der Verein könne verhindern, dass ein ungewollter Investor das Zepter übernehme, da die Vereinsmitglieder in einem solchen Fall vom Vorkaufsrecht Gebrauch machen könnten.

In einem Aktionärsbindungsvertrag ist das Vorkaufsrecht auf die Holding-Anteile an der AG fixiert, doch nach der massiven Wertsteigerung des Klubs in den vergangenen Jahren von rund 60 Millionen Franken ist es vor allem theoretischer Natur: Praktisch würden dem Verein sowohl die finanziellen als auch die juristischen Mittel fehlen, um einen unliebsamen Finanzinvestor zu verhindern. Finanziell, weil der Verein selbst nur über ein bescheidenes Vermögen verfügt und jährlich von der AG ausfinanziert werden muss; juristisch, weil der Verein keinen Einfluss hat, wenn die Besitzverhältnisse innerhalb der Holding ändern. So wurde er weder gefragt, als Oeri die Aktien an Heusler weitergab, noch als Heusler sein Paket innerhalb der Klubführung streute.

Heusler betont dennoch den Wert der Klausel: «Das Vorkaufsrecht ist gerade bei gefährlichen Weitergaben von Aktien an ‹unseriöse› Investoren, die den Klub in einer schwierigen Situation günstig übernehmen wollten, weiterhin eine sehr scharfe, ja lebensnotwendige Waffe.» Er kenne keinen anderen Klub, der dem Verein ein solches Mittel in die Hand gegeben habe.

Die Firmenkonstruktion ist aber vor allem steuerminimierend ausgelegt. So wurde auch in der aktuell publizierten Jahresrechnung der AG der Gewinn von 12 Millionen Franken durch hohe Rückstellungen für Ersatzbeschaffungen von Spielern auf eine schwarze Null reduziert und die Bilanz durch Abschreiber und die Bildung stiller Reserven in Höhe von 81 Millionen Franken dünn gehalten. Damit habe die AG in den vergangenen Jahren rund 15 Millionen Franken an Steuern gespart, schrieb die «Basler Zeitung».

Die fiskalischen Vorteile setzten sich auf der Holding-Ebene fort. Die Holding beherrscht zwar eine Fussballfirma, die deutlich über 100 Millionen Franken schwer ist und buchhalterisch hohe Gewinne erwirtschaftet, doch streng nach den Regeln des Kreisschreibens Nr. 28 der Eidgenössischen Steuerkonferenz sind die Holding-Aktien steuerlich nur einen Bruchteil dessen wert: Eine Gewinnsteuer fällt mangels Dividende ohnehin nicht an, und bei einem doppelt gewichteten Ertragswert bei der Berechnung der Vermögenssteuer beschränkt sich auch dieser Steuerwert auf einige wenige Millionen Franken.

Die letzten Handänderungen haben jeweils zum Steuerwert stattgefunden, was beispielsweise erklärt, weshalb Wirtschaftsanwalt Bernhard Heusler ohne grosses eigenes Vermögen von Gigi Oeri überhaupt 90 Prozent der HoldingAktien hatte übernehmen können. Oder wie der US-Unternehmer Nelson Rockefeller aus der gleichnamigen Dynastie sagte: «Das Geheimnis des Erfolgs ist es, nichts zu besitzen und alles zu kontrollieren.»

Anzeige