UBS und CS müssen nochmals Tausende Stellen abbauen

Von Beat Schmid


Samstag, 20. Oktober 2012 23:10

Die Probleme um den Stellenabbau spitzen sich zu: UBS-CEO Sergio Ermotti. Foto: Walter Bieri


Die UBS und Credit Suisse bereiten sich auf einen weiteren Kahlschlag vor. Es ist der Beginn eines länger dauernden Schrumpfungsprozesses. Das Personal ist verängstigt und wehrt sich mit Indiskretionen.

Die beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse (CS) werden in den kommenden Wochen massive Stellenstreichungen ankündigen müssen. Die Geschäfte laufen schlecht, die Erträge brechen ein. Die Folge sind Tausende von Bankmitarbeitern, die den Job verlieren werden – global, aber auch in der Schweiz.

Die Nervosität unter der Belegschaft ist seit Wochen gross. Verzweifelte Mitarbeiter wenden sich mit vermeintlich brisanten Informationen an die Öffentlichkeit und erhoffen sich dadurch eine Milderung der Massnahmen. Aber auch an der Spitze der Unternehmen liegen die Nerven blank: In einem unwirschen E-Mail disziplinierte etwa UBS-Konzernchef Sergio Ermotti seine 63 000 Mitarbeiter.

Die Lage wird sich in den nächsten Tagen zuspitzen, wenn UBS und Credit Suisse ihre neuesten Geschäftszahlen präsentieren werden. Wie der «Sonntag» erfahren hat, wird die UBS einen Arbeitsplatzabbau in der Grössenordnung von 3000 bis 5000 Stellen bekannt geben müssen. In der Informatikabteilung sollen gut 900 Stellen gestrichen werden, davon etwa 300 in der Schweiz. Der Rest von 2000 bis 4000 Stellen betrifft insbesondere das Investmentbanking und zentrale Funktionen, die vor allem am Hauptsitz in Zürich konzentriert sind.

Wie stark die Kosten herausgeschnitten werden, zeigt sich vor allem in der riesigen IT-Abteilung. Das Budget beträgt rund 3,3 Milliarden Franken. Zum Vergleich: Das Budget der Schweizer Armee beläuft sich auf gut 4 Milliarden Franken. Von diesen 3,3 Milliarden werden etwa 2 Milliarden für den Betrieb gebraucht. Im Fachjargon heisst dieser massive Budgetposten «Run the Bank». Rund 1,3 Milliarden sind für «Change the Bank» reserviert. Damit sollen Projekte für künftige IT-Systeme finanziert werden. Dieses Budget wird nun um 200 bis 300 Millionen gesenkt.

Allein durch den Abbau von 1000 Stellen lässt sich etwa die Hälfte der angepeilten Kostenersparnis erzielen. Eine weitere Massnahme ist der breitflächige Rauswurf von sogenannten Contractors und anderen IT-Beratern, die auf Projektbasis für die UBS arbeiten, jedoch nicht angestellt sind. Diese sollen auf ein Minimum reduziert werden. Die meisten Contractors trifft es an den Standorten London und New York, wo das grosse Rad im Investment-Banking gedreht wird.

Der «Tages-Anzeiger» berichtete vergangene Woche von einem weitaus dramatischeren Szenario: So könnte jede fünfte oder 12 500 Stellen verschwinden, allein über 2000 in der Informatikabteilung, davon 1000 in der Schweiz.

Laut dem «Sonntag» vorliegenden Informationen sind diese Zahlen vermutlich deutlich zu hoch. Den Schleier lüften wird die UBS aller Voraussicht nach anlässlich der Ergebnispräsentation in zehn Tagen, wenn Sergio Ermotti und Finanzchef Tom Naratil die Zahlen für das dritte Quartal bekannt geben werden.

Bereits nächsten Dienstag legt die CS die Zahlen für das angelaufene Quartal vor. Erwartet wird, dass die zweitgrösste Bank der Schweiz ebenfalls einen massiven Stellenabbauplan bekannt geben wird. Wie aus dem Innern der Bank zu hören ist, soll der Abbau kleiner ausfallen als bei der UBS. Es wird die Zahl von 1000 bis 2000 Stellen genannt. Die Eckwerte werden über dieses Wochenende festgelegt.

Der Abbau überrascht nicht. Den beiden Schweizer Grossbanken UBS und CS läuft es schlecht. Gemessen an der Börsenperformance schneiden sie im internationalen Vergleich enttäuschend ab. Nimmt man die letzten fünf Jahre als Massstab, ist die UBS gar die mit Abstand schlechteste aller Grossbanken mit einem bedeutenden Arm im amerikanischen Investmentbanking. Der Kurs stürzte um sagenhafte 78 Prozent ab. An zweitletzter Stelle kommt bereits die CS, deren Titel gegenüber 2007 um 70 Prozent tauchten.

Ein überraschendes Bild zeigt der Vergleich über die letzten drei Jahre (siehe Grafik). Weit abgeschlagen bildet nun die CS das Schlusslicht mit minus 62 Prozent. Die UBS liegt hinter JP Morgan und Deutsche Bank an dritter Stelle.

Es ist vor allem das darbende und im Fall der CS das völlig überdimensionierte Investmentbanking, das auf den Kurs drückt. Es ist aber auch das schiere Unvermögen von UBS und CS, in diesem schwierigen Geschäft auf einen grünen Zweig zu kommen. Der Fall des Skandalhändlers Adoboli bildet dabei die Spitze der Inkompetenz.

Doch so sehr die Schweizer Bankangestellten dieses Kasinobanking auch verfluchen, so schnell werden sie es nicht los. Zwar hat Sergio Ermotti kürzlich in der «Finanz und Wirtschaft» eine «Beschleunigung des Umbaus» der Investmentbank in Aussicht gestellt, die auf das «Wesentliche konzentriert» werden soll.

Doch Ermotti sagte auch, dass das nicht so schnell gehen könne. Das Problem sind die nach wie vor riesigen Milliardenpositionen, welche vor allem in London und USA verwaltet werden. Die ungeliebten Investmentbanker können gar nicht herausgeworfen werden, solange diese Positionen nicht liquidiert sind. Bei der CS zeigt sich dasselbe Bild in noch grösserem Ausmass.

Die Schrumpfung der Grossbanken ist ein mehrjähriger Prozess, der eben erst begonnen hat. Ermotti sprach prophetisch von einer «mehrteiligen Kinoserie», wobei die UBS die erste Folge bereits gezeigt hat.

Anzeige