72-Millionen-Deal: Novartis sucht Vasellas Verräter

Von Peter Burkhardt und Florence Vuichard


Samstag, 23. Februar 2013 23:10


Konzern prüft Strafanzeige wegen Bankgeheimnis-Verletzung.

Der Verrat des Geheimkontos von Novartis, über das Ex-Präsident Daniel Vasella während sechs Jahren bis zu 72 Millionen Franken ausbezahlt werden sollten, ruft die Juristen auf den Plan. Der Pharmakonzern bereitet eine Strafanzeige gegen Unbekannt oder die Bankchefs vor. «Novartis prüft die rechtlichen Möglichkeiten im Zusammenhang mit der bekannt gewordenen Indiskretion», bestätigt Sprecher Satoshi Sugimoto.

Damit will Novartis herausfinden, wer dem Finanzportal «Inside Paradeplatz» die Existenz des 2010 eröffneten Kontos bei der St. Galler Privatbank Wegelin (heute Notenstein) bekannt gegeben hat. Der Täter muss mit einem Strafverfahren wegen Verletzung des Bankgeheimnisses rechnen. Novartis-Chefjurist Felix Ehrat ist zurzeit daran, die Erfolgschancen auszuloten. «Novartis wird zu gegebener Zeit in Abwägung aller relevanten Gesichtspunkte, insbesondere auch der Erfolgsaussichten, entscheiden», sagt Sugimoto.

Der oberste Staatsanwalt des Kantons St. Gallen, Thomas Hansjakob, ist bislang nicht von sich aus aktiv geworden. Dies unter anderem, weil Novartis nicht bestätigt hat, dass es sich um ein Konto bei Wegelin handelt. Novartis-Jurist Ehrat sprach an der Generalversammlung nur von «einer Ostschweizer Bank». «Wenn wir gesicherte Informationen oder eine Anzeige haben, werden wir tätig», sagt Hansjakob.

Nach der Indiskretion verzichtete Vasella auf die 72 Millionen, der Verwaltungsrat machte das Konkurrenzverbot rückgängig. Dafür muss er vom ehemaligen UBS-Chef Oswald Grübel heftige Kritik einstecken. «Das Unternehmen hat eine schwache Führung und lässt sich zu leicht von aussen beeinflussen.»

Nach dem Vasella-Eklat steht der mächtige Unternehmensdachverband Economiesuisse mit dem Rücken zur Wand. Die Abzocker-Abstimmung ist so gut wie verloren, und auch bei der Personenfreizügigkeit und der Masseneinwanderung drohen Niederlagen. Voreilige Stellungnahmen von Economiesuisse-Spitzenleuten dürften zu einer scharfen gesetzlichen Umsetzung der Abzocker-Initiative führen.

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