Globus plant Rundum-Erneuerung

Benjamin Weinmann

Benjamin Weinmann ist Redaktor bei der Zeitung «Schweiz am Sonntag».


Samstag, 24. Dezember 2016 23:30

Erstrahlt bald in neuem Glanz: Globus an Zürichs Löwenstrasse. Foto: Keystone


Das Migros-Warenhaus mistet das Sortiment radikal aus. Das Online- und das Gastronomieangebot werden vergrössert. Das kostet Millionen.

Nicht mit Babyschritten, sondern radikal. So will Thomas Herbert, Chef der Migros-Warenhaustochter Globus, der Revolution im Detailhandel begegnen. Denn die Kunden wandern ab. Ins günstigere Ausland. Und ins Internet, zu Amazon und Zalando. Letztes Jahr nahm Globus 929 Millionen Franken ein – 3 Prozent weniger als im Vorjahr. Und auch 2016 resultiert laut Herbert wohl ein Minus von 1 Prozent.

«Wir müssen der Realität ins Auge blicken», sagt Herbert, der einst den Kleiderhändler Schild nach einem Management-Buyout aufmöbelte und ihn 2013 an die Migros verkaufte. Seit August 2015 steht er Globus vor. Wie die Realität aussehen könnte, will Herbert kommenden Sommer in der Globus-Filiale in Bern zeigen. «Wir bauen das Warenhaus um, nehmen fast alle schweren und sperrigen Artikel wie Matratzen, Duvets bis hin zu Teller-Serien raus. Wir müssen das Sortiment entrümpeln.»

Anstatt ganzer, verpackter Bettwaren-Textilien in allen Grössen und Farben wird es nur noch einzelne Stoffproben in der Filiale haben. So bleibt die Haptik gewährleistet, während die Verkäuferin auf dem Grossbildschirm die grosse Online-Auswahl präsentieren kann. Herbert spricht von einem Test, doch betont er im selben Atemzug, dass sich der Trend nicht aufhalten lasse.

Die frei werdende Fläche will Herbert nicht etwa an lukrative Markenhändler abgeben mit Shop-in-Shop-Formaten. Viel eher soll es mehr Platz geben. «Wir müssen den Einkauf auf der Fläche mehr zelebrieren, mehr Luft bieten», sagt der 47-Jährige, der auch den Kleiderhändlern Schild und Herren Globus vorsteht. Das Shopping soll wieder zum Erlebnis werden. Das Stichwort lautet «Digitaler Showroom», die Inszenierung der Fläche mit Flachbildschirmen und der Möglichkeit, im Geschäft online einzukaufen.

Restaurant offen bis 1 Uhr nachts
Zur Zelebrierung des Einkaufens gehört für Herbert die Gastronomie. 2018 wird der Flagship-Store an der Zürcher Bahnhofstrasse komplett umgebaut. Kostenpunkt: 20 bis 40 Millionen Franken. Zurzeit läuft die architektonische Planung. «Auf jeder Etage wird es ein Gastrokonzept geben», sagt Herbert. Auch hier setzt er auf das eigene Know-how, das man inhouse dank der Globus-Restaurants und der Delicatessa-Abteilungen habe. «Wir verkaufen schon heute 40 verschiedene Rohschinken und haben eine riesige Auswahl von Hummer, Langusten und Crevetten.»

Zuoberst soll das bestehende Restaurant nach der Bahnhof- statt der Löwenstrasse ausgerichtet werden. Dort gibt es einen separaten Liftzugang. «So können wir das Restaurant auf der Dachterrasse von Montag bis Sonntag bis ein Uhr morgens betreiben.»

Dessous und Champagner
Auf der Frauenetage bei den Schuhen ist zum Beispiel eine Champagner-Bar mit 50 verschiedenen Champagner-Sorten geplant. «Während die Kundin Schuhe anprobiert, kann sie mit ihren Freundinnen gleichzeitig anstossen», sagt Herbert. In den Tischen wird es Touchscreen-Bildschirme geben, auf denen die Gäste zwischen dem Hauptgang und dem Kaffee online Vorhänge, Dessous oder Parfums bestellen können. Dadurch werde sich das Berufsbild der Verkäuferin verändern. Die klassische Detailhandelsangestellte müsse bei Globus in Zukunft das iPad bedienen und Getränke ausschenken können.

«Nach dem Umbau an der Bahnhofstrasse möchten wir auch die restlichen zwölf Globus-Warenhäuser entsprechend erneuern», sagt Herbert. Dafür würden deutlich mehr als 100 Millionen Franken anfallen. Die grosse Herausforderung ist die Logistik. Globus hat heute nur ein Verteilzentrum in Otelfingen AG. Da der Kunde in maximal zwei Stunden seine Bestellung erhalten soll, besteht Ausbaubedarf. «Wir werden drei bis vier Verteilzentren benötigen», sagt Herbert. Für effiziente Abläufe könne man auf das Know-how des Onlinehändlers Digitec-Galaxus zurückgreifen, der ebenfalls zur Migros gehört.

Anzeige