Leonteq: Weniger Bonus für Pierin Vincenz

Beat Schmid

Beat Schmid ist stv. Chefredaktor bei der Zeitung «Schweiz am Sonntag».


Samstag, 04. Februar 2017 23:27

Pierin Vincenz, Präsident von Leonteq, wird auf Honorar-Anteile verzichten müssen. Foto: Sandra Ardizzone


Management und Verwaltungsrat werden auf Vergütungen verzichten. Ankeraktionär Raiffeisen erleidet einen happigen Bewertungsverlust.

Der einstige Börsenüberflieger Leonteq ist hart auf dem Boden aufgeschlagen. Nächste Woche wird die Derivategesellschaft, an der die Genossenschaftsbank Raiffeisen einen Anteil von 30 Prozent hält, die mit Spannung erwarteten Jahreszahlen präsentieren. Gründer und Chef Jan Schoch wird sich Asche aufs Haupt streuen müssen: Im Dezember veröffentlichte Leonteq eine hochbrisante Gewinnwarnung, die die Investoren verschreckte und den Aktienkurs in den Keller schickte. Viele Anleger fühlten sich verschaukelt, weil das Unternehmen kurz zuvor an einem Investorentag noch nichts zum schlechten Geschäftsgang berichten wollte.

Um die Wogen zu glätten, wird die Gesellschaft einen Verzicht auf Lohnanteile der obersten Manager bekannt geben. Das hat die «Schweiz am Sonntag» aus dem Innern des Unternehmens erfahren. Die Selbstbescheidung gilt für Geschäftsleitungsmitglieder, allen voran Jan Schoch selbst, aber auch für den Verwaltungsrat und dessen Vorsitzenden Pierin Vincenz, den ehemaligen Chef von Raiffeisen und heutigen Helvetia-Präsidenten.

Leonteq war eine Geldmaschine – die Boni sprudelten. Seit dem Börsengang 2012 schnellten die Bezüge der obersten Manager in die Höhe. Letztes Jahr holte sich Leonteq das nicht bindende Plazet der Generalversammlung ein, die Gesamtentschädigung der Geschäftsleitungsmitglieder um 50 Prozent auf 15 Millionen Franken erhöhen zu dürfen.

Und als Pierin Vincenz vor einem Jahr das Präsidium übernahm, erhöhte er als Erstes seine Bezüge auf 750 000 Franken für das Nebenamt, was mehr als einer Verdoppelung gegenüber seinem Vorgänger Peter Forstmoser entspricht. Dieser verdiente im Jahr 2014 noch 150 000 Franken. Vinzenz soll nun auf einen beträchtlichen Teil seines Honorars verzichten – und auch in Zukunft nicht mehr so viel verdienen.

Die Umsätze sprudelten nicht
Die Kosten sind im letzten Jahr aus dem Ruder gelaufen. Leonteq, beflügelt durch den kometenhaften Kursanstieg bis 2015, expandierte in alle Himmelsrichtungen und eröffnete teure Niederlassungen in London und Singapur. Mieten und Löhne müssen monatlich bezahlt werden, doch die Umsätze sprudelten nicht. Jetzt versucht man, aus den teuren Verträgen rauszukommen. Niemand hat auf die Boutique aus Zürich gewartet. Das Problem ist: Leonteq handelt mit Finanzprodukten, die ausserhalb der Schweiz kaum verbreitet sind. Strukturierte Produkte nichtschweizerischen Anlegern schmackhaft zu machen, ist eine Herausforderung.

Ob Leonteq allein mit Kostenmassnahmen den Kapitalmarkt besänftigen kann, ist alles andere als ausgemacht. Vor ein paar Wochen gab es Stimmen von aufmüpfigen Aktionären, die den Kopf von Gründer Jan Schoch forderten. Nur so könne das Vertrauen wieder hergestellt werden. Dazu wird es nicht kommen, wie mehrere Quellen bestätigen. «Jeder Mensch hat Schwächen, auch Jan Schoch», heisst es aus dem Umfeld des Verwaltungsrats, der ihn jederzeit rausschmeissen könnte. Das Gremium diskutiert nun darüber, ihm geeignetes Personal zur Seite zu stellen, das Schochs offenkundigste Schwächen wie Kommunikation und Kostenkontrolle kompensieren könnte.

Aber ohne den Gründer scheint es nicht zu gehen. Schoch sei absolut zentral für die Firma, er kenne das Unternehmen, die Produkte und die Kunden, heisst es. Möglicherweise gibt es im Verborgenen noch andere Gründe, warum Raiffeisen Schoch nicht fallenlassen will. Als Vincenz noch Chef von Raiffeisen war, hat er mit Schoch zusammen und anderen Gründeraktionären von Leonteq eine Gruppe gebildet. Dabei wurden die Haltefristen von Schochs Aktienpaket verlängert. Im Jahr 2015 hat Schoch Optionsscheine für 462 000 Leonteq-Aktien erworben.

Deutlich weniger wert
Für Raiffeisen und ihre Hunderttausenden Genossenschafter wird die Leonteq-Beteiligung ohnehin zum Albtraum. Gemäss verlässlichen Quellen wird die Bank einen hohen Betrag wertberichtigen müssen. Die Aktien sind seit Ende 2015 vom Höchst von über 200 auf 34 Franken gefallen. Das Unternehmen ist heute deutlich weniger wert als zum Zeitpunkt, als Raiffeisen eingestiegen ist. Wie hoch die Wertberichtigungen sein werden, wird erst Ende Februar bekannt. Doch es ist klar: Die gehen in die Millionen. Die Bank bewertet die Beteiligung nicht anhand des Aktienkurses, sondern nach der sogenannten DCF-Bewertungsmethode, die sich auf abgezinste Zahlungsströme stützt.

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