SNB soll Geld verschenken

Von Niklaus Vontobel


Samstag, 19. März 2016 23:31

Sonderbatzen von der SNB: HandelSchweiz will diese Idee in die Tat umsetzen. Foto: Keystone/Christian Beutler


Spitzenverband fordert: Nationalbank verteilt zur Krisenbekämpfung monatlich 100 Franken.

Die Nationalbank gab diese Woche bekannt, nichts an ihrer Geldpolitik zu ändern. Wie Präsident Thomas Jordan an der geldpolitischen Lagebeurteilung sagte, werde sie weiterhin mit den gleichen Mitteln den «überbewerteten Franken» zu schwächen versuchen: mit Negativzinsen und mit Interventionen am Devisenmarkt.

Jordan hatte die SNB indessen bereits früher in verschiedenen Reden aus der Verantwortung genommen: «Die Geldpolitik gerade in kleinen offenen Volkswirtschaften kann nicht jede negative Entwicklung der Weltwirtschaft vollständig abfedern.» Leider gebe es «keine einfache Lösung», eine gewisse Durststrecke sei «unvermeidbar».

In der Wirtschaft macht sich derweil Unzufriedenheit mit dem bestehenden Kurs breit. Nun prescht ein gewichtiger Dachverband vor. HandelSchweiz vertritt die Interessen von 3800 Unternehmen und rund 30 Verbänden. Migros und Coop zählen nicht dazu, aber sonst findet sich unter den Mitgliedern des über 80 Jahre alten Verbandes das Who’s who des Schweizer Handels.

Kürzlich kam der gesamte Vorstand von HandelSchweiz zusammen und gelangte zu einem Entscheid. «Wir fordern, dass die SNB künftig jedem Schweizer Einwohner direkt eine bestimmte Geldration verteilen kann», sagt Jean-Marc Probst, Präsident von HandelSchweiz. Seiner Ansicht nach müsste die SNB aktuell monatlich rund hundert Franken verschenken können.

Probst unterstützt diese Initiative nicht nur mit Worten. Als Vorstandsmitglied von Economiesuisse lässt er sie auch im Wirtschaftsdachverband diskutieren. Im Arbeitgeberverband wird er sich als Vizepräsident auch dort dafür einsetzen. Im Hauptberuf ist Probst eigentlich Präsident und CEO von Probst Maveg, einem Baumaschinenhersteller.

Von dieser Massnahme verspricht sich Probst eine Stärkung der Kaufkraft. «Wir sehen und spüren, dass es in der Realwirtschaft und in den Taschen der Konsumenten zu wenig Geld hat.» Man müsse deshalb jede Möglichkeit nutzen, fordert Probst. «Viel zu verlieren haben wir nicht. Die Risiken sind sicher geringer, als wenn die SNB weiterhin am Devisenmarkt interveniert.»

Derzeit sei der Franken zu stark, die negativen Zinsen würden nicht genügend abschrecken. «Wer ein Auseinanderfallen der Eurozone fürchtet oder hohe Inflation, für den ist der Franken dennoch ein sicherer Hafen.» Derweil gerieten viele Unternehmen, Stellen und Qualitätsstandard unter Druck. «Die Leute kaufen im Ausland ein oder fordern von uns dortige Preise ein, die sie zum aktuellen Kurs in Franken umrechnen.»

Das Unbehagen über diesen Druck ist weit verbreitet. Das zeigt auch der Blick in die Mitgliederliste von HandelSchweiz. Unter den prominentesten Namen sind etwa Emmi, Fenaco oder der Käserei-Konzern Bel. Aus dem Detailhandel gibt es Namen wie Manor, Ikea, Maus Frères, Volg und der Branchenverband Swiss Retail Federation. Mit Panasonic, IBM oder Canon und dem Verband Swico ist die IT-Branche vertreten. «Auto Schweiz» setzt sich in HandelSchweiz für die Automobil-Importeure ein.

Der geistige Vater der Initiative von HandelSchweiz ist der Ökonom Michaël Malquarti, Vizepräsident beim Genfer Vermögensverwalter Syz. Malquarti hat ebenfalls eine monatliche Summe von 100 Franken pro Person vorgeschlagen. Auszahlen würde Malquarti das Geld über eine Verrechnung mit der Krankenkassenprämie. «Diesen Mechanismus hat die Schweiz bereits bei der Rückzahlung der CO2-Abgabe erfolgreich angewandt.» Da alle Einwohner eine Krankenkassen-Versicherung hätten, liesse sich die gesamte Bevölkerung fehlerfrei und kostengünstig erreichen.

Die Unabhängigkeit der Nationalbank will Malquarti nicht antasten. «Der Gesetzgeber müsste ihr dieses Instrument zur Verfügung stellen. Dann würde sie unabhängig entscheiden, wie viel Geld sie zur Erreichung ihrer geldpolitischen Ziele verteilen müsste.»

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