«Unsere Strategie verlangt Technologieführerschaft»

Von Beat Schmid und Stefan Ehrbar


Samstag, 15. März 2014 23:38

«Unsere Strategie verlangt Technologieführerschaft»: Urs Schaeppi. Foto: EMANUEL PER FREUDIGER


Der Swisscom-CEO Urs Schaeppi (53) läutet den Abschied vom 100-jährigen Telefonnetz ein. Im Interview spricht der Ex-Skifahrer über die Cloud-Strategie, den Streit mit UPC Cablecom und die italienische Swisscom-Tochter Fastweb. Und er verspricht Tarifsenkungen beim Roaming.

Herr Schaeppi, der 9. Februar bewegt die Schweiz. Wie stark ist die Swisscom von der Masseneinwanderungsinitiative betroffen?
Die Swisscom lebt von ihren Talenten. Wir betreiben ein Geschäft, das sich extrem schnell verändert. Gerade im ICT-Bereich gibt es zu wenig qualifiziertes Personal in der Schweiz. Wir sind auf Ausländer angewiesen.

Werden Sie in Zukunft mehr Mühe haben bei der Rekrutierung des geeigneten Personals?
Das Volk hat einen Entscheid getroffen. Und zwar relativ knapp. Jetzt kommt es darauf an, in welcher Art und Weise die Initiative umgesetzt wird. Je nach gewähltem Weg hat die Initiative grössere oder kleinere Auswirkungen. Sicher ist: Es wird nicht einfacher, an ausländische Talente zu kommen. Wir werden auch mehr Administration und Bürokratie haben.

Müssten Sie mehr Personal selbst ausbilden?
Ja. Wir sind intensiv daran, beispielsweise mit der ICT-Berufsintiative, die wir namhaft unterstützen. Zudem sind wir einer der grössten Lehrlingsbetriebe der Schweiz.

Im Schweizer Mobilfunk-Markt sinken die Preise viel weniger stark als im Ausland, die Margen steigen bei ihnen sogar teilweise. Wie wird die Entwicklung weitergehen?
Der Mobilfunkmarkt in der Schweiz ist hochkompetitiv, auch wenn das gewisse Medien anders sehen. Der Wettbewerb verläuft einfach ein bisschen anders als in anderen Ländern.

Ihre Ebitda-Marge ist sogar gestiegen, während sie etwa in Spanien gesunken ist.
Das ist ja klar, wenn das Land in einer Rezession ist.

Der Umsatz pro Kunde ist nirgends so hoch wie in der Schweiz – mit Abstand.
Richtig. Aber: Der Schweizer Kunde will primär Qualität. Er will, egal, wo er ist, eine schnelle Versorgung. Die muss im Skigebiet genauso verfügbar sein wie auf dem Aletsch-Gletscher. Ausserdem wird ausser Acht gelassen, dass die Netzbaukosten in der Schweiz höher sind als im Ausland, etwa wegen den strengen Grenzwerten. Das alles treibt unsere Netzbaukosten um eine zweistelliger Prozentzahl nach oben. Die Schweiz hat zudem mit die höchsten Handysubventionen Europas...

Daran sind Sie selbst schuld.
Nein, das ist der Wettbewerb. Der Schweizer Kunde ist extrem stark auf den Endgeräte-Preis fokussiert. Wer dort nicht kompetitiv ist, verliert innert Wochen Marktanteile.

Der Schweizer will Qualität, sagen sie. Österreich aber hat beispielsweise gemäss dem Connect-Netztest bessere Netze...
Dieser Test misst erstens nicht die ganze Flächenabdeckung. Zudem sind die Werte nicht direkt vergleichbar. Und Österreich hat den Vorteil der zehnmal höheren Grenzwerte gegenüber der Schweiz. Ich reise viel und ich kann ihnen versichern: Die Schweiz hat ein hervorragendes Netz. Das sagt ihnen jeder.

Im Schweizer Mobilmarkt gibt es beinahe keine Verschiebungen. Die Marktanteile sind seit Jahren dieselben. Die Schweiz ist diesbezüglich sehr stabil, um es positiv zu sagen.
Man kann das auf zwei Arten sehen. Man kann sagen, es läuft nichts, aber es ist eben auch ein Beweis für einen kompetitiven Markt, in dem jeder auf den anderen schaut. Für ein Telekom-Unternehmen ist der Marktanteil einer der wichtigsten Faktoren. Sobald sich dieser bewegt, dann kommt Stimmung auf. Deshalb versucht jeder, seine Marktanteile zu verteidigen.

Sie haben aber auch einen Regulator, der ihnen gegenüber sehr wohlgesinnt ist. Das sagen auch ausländische Telekom-Analysten.
Ich erlebe den Regulator anders. Die Schweiz hat bisher eine sehr gute Liberalisierungs- und Regulationspolitik verfolgt. Das sage ich nicht als Swisscom-Mann, sondern als Schweizer Bürger. Welches andere Land der Welt hat einen so intensiven Infrastrukturwettbewerb, bei dem wirklich investiert wird? Die meisten Länder haben das Problem, das niemand investiert, weil man durch die Regulationspolitik ein investitionsfeindliches Umfeld geschaffen hat. Die Schweiz hat es geschafft, auch dank dem Wettbewerb mit den Kabelnetzen, ein positives Investitionsklima zu schaffen. Dazu müssen wir Sorge tragen. Breitbandige Netze über die ganze Schweiz und nicht nur in der Stadt Zürich gibt es nur, wenn viel investiert wird.

Ihr Vorgänger Carsten Schloter hätte aber die Fusion von Orange und Sunrise begrüsst. Das hätte den Wettbewerb belebt, sagte er.
Das sehe ich auch so. Eine Fusion würde ich begrüssen. Die beiden hätten Synergien, insbesondere im Netzbereich. Dann hätte Swisscom einen Konkurrenten, der noch kompetitiver ist und die hohen Investitionen, die auf die Branche zukommen, auch tätigen kann. Mir wäre das lieber, als dass irgendwann der Regulator kommt und die Swisscom zurückbinden will.

Ihr härtester Konkurrent könnte sowieso UPC Cablecom werden. Gerade wenn die Cablecom-Mutter Liberty noch Orange oder Sunrise kaufen würde.
Die Überlegungen kann man sich sicher machen.

Vor Cablecom müssen sie mehr Angst haben als vor Sunrise oder Orange.
Im Festnetzbereich ist das sicher so, insbesondere, weil sie natürlich schon breitbandige Netze haben.

Wie entwickeln sich denn nun die Preise in den nächsten Monaten?
Die Roaming-Preise werden sich sicher weiter nach unten entwickeln. Auch die Swisscom wird noch dieses Jahr die Preise weiter senken. Über das gesamte Mobilfunk-Geschäft gesehen glaube ich nicht, dass sich die Preise stark bewegen werden. Man muss sehen, dass heute viel mehr Leistung geboten wird und die Nutzung steigt dank der Flatrates stark an. Zudem steht die ganze Branche vor riesigen Investitionsschüben. Deshalb sehe ich nur einen leichten Abwärtstrend voraus.

Wie sinken die Roaming-Tarife konkret?
Wir werden Tarifmodelle entwickeln, die dem Kunden noch mehr Sicherheit geben. Wir werden vermehrt auf Pakete mit Inklusiv-Volumen setzen. Der Kunde wird schon heute gewarnt, kurz bevor sein Guthaben aufgebracht ist. Beim Roaming werden wir zudem weitere preisliche Anpassungen machen. Das ist auch in unserem Interesse. Wenn ein Kunde heute ins Ausland geht, schaltet er oft als erstes das Daten-Roaming aus. Wir wollen aber, dass er Roaming benützt.

Der sogenannte "Local-Break-Out" in der EU, mit dem ein Kunde im Ausland Datenangebote des lokalen Anbieters nutzen können soll, war auch einmal für 2014 angekündigt...
Technisch wird der Local Break Out implementiert. Die Frage ist, ob es für die Kunden in den Ländern attraktive Angebote geben wird. Ich persönlich glaube, dass wir mit günstigen Datenpaketen viel mehr Erfolg haben werden. Die Entwicklung wird in Richtung datengetriebene Applikationen gehen, wie es Swisscom iO ist.

Sobald „Voice over LTE“ eingeführt wird, brechen ihnen die Sprachumsätze im Roaming sowieso weg.
Das ist so. Das Telefoniegeschäft wird sowieso an Bedeutung verlieren, auch im Inland. Dafür wird die Datenverbindung immer wichtiger. Das ist auch unsere Strategie. Wir sagen: Der Kunde will eine gute, schnelle Datenverbindung. Und je mehr Applikationen eine Datenverbindung benützen, umso besser muss das Netz sein. Darum wird der Kunde auch in Zukunft für ein qualitativ gutes Netz bezahlen.

Im Moment arbeiten sie an der Zusammenführung all ihrer Netze auf ein IP-Netz. Wann wird dieses Projekt vollendet sein?
Wir wechseln unsere traditionelle Telefoninfrastruktur auf IP, also das Internet-Protokoll. Das gibt eine Verschmelzung von Mobil- und Festnetzinfrastruktur besonders im Backbone, dem Basisnetz. Das dauert aber noch Jahre. Das Ziel ist natürlich, die klassische analoge Festnetztelefonie aus dem Netz zu nehmen.

Wann können wir denn nun damit rechnen?
Unser Ziel ist bis Ende 2017.

Sie bauen zurzeit auch eine eigene Cloud-Lösung auf. Im Gespräch mit Branchenleuten hört man, dass sie die absolute Luxuslösung, das "best of breed" wollen. Wie viel investiert Swisscom in dieses Projekt?
Die Frage ist doch: Was ist eine Cloud? Wir wollen für unsere Kunden Services anbieten, die sie quasi aus der Steckdose kaufen können. Seien das Infrastruktur- oder Plattformlösungen, die in der Schweiz betrieben werden. Es gibt nicht einfach nur den Server und die Software. Wir denken, eine "best of breed"-Lösung gibt uns erstmals einen kompetitiven Vorteil. Über kurz oder lang wird der verschwinden, aber das war in dieser Industrie schon immer so. Als eine der ersten Firmen der Welt hat Swisscom Prepaid eingeführt. Da haben sie ein "windows of opportunity" von vier bis fünf Jahren, und danach wird die Lösung Standard. Unsere Strategie verlangt Technologieführerschaft.

Es gibt aber bereits Cloud-Lösungen...
Ja, auch von uns.

Wie viel investieren sie denn nun in Cloud?
Das ist mengengetrieben. Es ist sicher ein zweistelliger Millionenbetrag als Basisinvestition. Danach wächst man mit dem Markterfolg.

Erfinden Sie hier das Rad neu?
Nein, doch was macht ein Telekomanbieter? Er führt verschiedene Technologien zu einer Lösung zusammen, und genau das machen wir mit der Cloud. Wir führen Virtualisierungssoftware mit anderen Themen zusammen.

Das Rad erfinden Sie auch mit iO neu, schliesslich gibt es schon WhatsApp. Und WhatsApp wird die Telefonie-Funktion, wie sie iO kennt, eher früher als später auch einführen.
Klar. Wir stellen uns dem Wettbewerb und der Kannibalisierung der eigenen Dienste. Die Konkurrenz aus dem Internet kommt, ob wir mitmachen oder nicht. Da investiere ich lieber selber. Aber iO ist viel mehr als Messaging und Telefonie. Ich will meine Produktpläne nicht detailliert verraten, aber wir werden dieses Jahr Releases bringen, die iO eine neue Dimension bringen, mit neuen Anwendungsmöglichkeiten auch im konvergenten Bereich. iO ist eine Plattform für verschiedene Anwendungen.

WhatsApp werden sie damit nicht besiegen.
Wegen iO wird WhatsApp nicht verschwinden. Unsere Strategie mit iO ist, Internet mit Festnetz und Mobilfunknetz zu verknüpfen. Das ergibt eine einmalige Plattform. Ich bin sicher, dass wir langfristig weiterwachsen werden.

Wie verdienen Sie mit iO eigentlich Geld?
Am Schluss geht es um die Frage, ob man Kunden auf dem eigenen Netz halten kann. Dazu muss man sein Angebot differenzieren. Alles was wir tun, dreht sich um die Aufgabe, den Kunden einen einfachen Zugang in die digitale Welt zu geben. Und wenn wir einfache Kommunikationsmöglichkeiten wie iO bieten können, um immer und überall kommunizieren zu können, differenzieren wir uns. So gewinnen wir Kunden.

Ihr eigenes Fernsehprodukt Swisscom TV hat eine Million Kunden, wobei man auch nicht genau weiss, wie viele davon Light-Kunden sind, die nichts für das Produkt bezahlen.
Dieser Anteil ist gering und liegt bei rund 60‘000.

Die Weko hat eine Untersuchung eröffnet, weil Swisscom das Teleclub-Sportangebot den Kabelnetzen vorenthält. Die Kommission hat von Anhaltspunkten für Kartellrechtsverstösse gesprochen.
Wir beurteilen das anders. Wir sind vor sieben Jahren mit Null Marktanteil ins TV-Geschäft eingestiegen. Das Geschäft mit Sportinhalten hatte bis dahin niemand in der Schweiz entwickelt. Wir sind auch deshalb bei Cinetrade eingestiegen und haben ein neues Angebot aufgebaut. Dieses ist offenbar sehr gut, sonst kämen jetzt nicht die Konkurrenten und möchten es auch gerne. Ich finde es seltsam, dass dies ein Missbrauch der Marktmacht sein soll. Wir sind der Herausforderer im TV-Markt.

Es ist offensichtlich, dass sie sich weigern, das Teleclub-Sportangebot anderen Anbietern zur Verfügung zu stellen.
Dank unserem Engagement ist das heutige Live-Sportangebot sowohl im Free-TV wie auch im Pay-TV sehr viel breiter, und auch auf den Kabelnetzen ist der Teleclub verfügbar. Klar ist aber auch, dass wir uns differenzieren wollen, das ist Wettbewerb. Wenn sie ein gutes Interview machen können – geben sie das dann der Sonntagszeitung?

Wenn Sie alle Anbieter gegen sich aufbringen, riskieren sie einen Schulterschluss der Konkurrenz. Besteht nicht die Gefahr, dass sie ab 2017 ohne das exklusive Sportangebot dastehen?
Ein TV-Angebot besteht nicht nur aus Content. Wieso ist Swisscom TV so erfolgreich? Da spielen auch die Themen Bedienbarkeit und Konvergenz eine wichtige Rolle. Damit meine ich etwa unsere mobile TV-Lösung, die über Smartphone und Tablet verfügbar ist. Das sind auch Entscheidungs-Kriterien für den Kunden.

Weniger gut läuft es bei ihrer italienischen Tochter Fastweb. Die Umsätze gehen zurück. Wie entwickelt sich Fastweb?
2013 war ein sehr gutes Jahr für Fastweb. Wir sind schneller gewachsen als der Markt. Die Umsätze sind deshalb zurückgegangen, weil wir sehr margenschwache Bereiche wie das Hubbing abgestossen haben. Bei den Kundenzahlen sind wir aber gewachsen. Auch der Ebitda hat sich positiv entwickelt. Unser Ziel ist es, Fastweb weiterhin positiv zu entwickeln.

Ein Verkauf ist kein Thema?
Wir wollen Fastweb weiter entwickeln, nicht verkaufen.

Fastweb wird aber längerfristig die einzige grössere Auslandsbeteiligung bleiben?
Unsere Strategie ist klar: Wir sind in der Schweiz und in Italien tätig. Wir können im Geschäftskundenmarkt heute auch aus der Schweiz heraus globale Lösungen anbieten und sechzig Länder bedienen.

Sie führen den Geschäftskundenbereich und Swisscom IT Services zusammen. Geschäftskunden-Chef Andreas König ist eben zurückgetreten. Sind weitere personelle Veränderungen geplant?
Der Geschäftskunden-Markt wird viel konvergenter. Die Zusammenlegung ist der logische Schritt. Was ist beispielsweise ein iPad? Legen wir IT und Telekom zusammen, haben wir eine einmalige Marktstellung. Das ist die Grundidee der Reorganisation. Andreas König, den ich sehr schätze, hat aus rein familiären Gründen gekündigt. Das respektieren wir auch. Sein Nachfolger Christian Petit wird seine Aufgabe sehr gut erledigen.

Der „Tages-Anzeiger“ schreibt von Unruhe in der Geschäftsleitung.
Das stimmt nicht. Wir haben ein sehr gutes Klima untereinander.

Sie schliessen also aus, dass weitere Köpfe rollen?
Es sind keine Köpfe gerollt. Andreas König hat sich aus familiären Gründen für den Weggang von Swisscom entschieden. Man weiss natürlich nie, wie eine Organisation in fünf Jahren aussieht.

Wie beurteilen sie ihre Zusammenarbeit mit dem Bund?
Der Bund ist unser Mehrheitsaktionär. Es ist unsere Aufgabe, eine gute Beziehung zu ihm zu haben. Und sie ist gut.

Sie waren als CEO erstmals auf Roadshows. Hat ihnen das gefallen?
Die ganze Finanzmarkt-Dimension ist neu für mich und sehr interessant. Am Schluss ist der Investor an der Nachhaltigkeit, der Dividende und dem Aktienkurs interessiert. Es ist interessant, wie oft mit diesen Investoren über das Geschäft diskutiert wird. Die Swisscom hat ein hohes Ansehen in der Investoren-Gemeinde. Unsere Strategie der letzten Jahre trägt Früchte.

Die Credit Suisse stuft sie auf „underperform“ ein.
Na gut, sie haben natürlich wieder den einen gefunden, der das sagt. Schauen sie unsere positive Kursentwicklung und die anderen Analystenberichte an. Die Credit Suisse ist zur Telekombranche per se eher verhalten.

Der Bund will Frauen fördern. Ist Frauenförderung bei Swisscom ein Thema?
Das Thema ist Diversity, und das sind nicht nur Frauen. Mit Diversity fährt ein Unternehmen besser. Haben alle die gleiche Kopfform, funktioniert das nicht gut. Im mittleren Management haben wir einen viel höheren Frauenanteil als im Top-Management. Das hat natürlich auch mit der Branche zu tun. Ich habe Ingenieur studiert. Mit mir hat keine einzige Frau abgeschlossen. Das Top-Management ist auch ein Spiegel dieser Realitäten. Unser Ziel ist aber klar, den Frauenanteil im Management zu erhöhen.

Sie sind begeisterter Skifahrer. Auf welchem Niveau sind Sie eigentlich gefahren?
Ich bin FIS-Rennen gefahren.

Mit wem sind sie denn zusammen gefahren?
Das war die Zurbriggen-Zeit. Ich habe mich dann für das Studium entschieden und noch etwas Ski gefahren daneben. Aber ich war natürlich nie auf dem Niveau eines Zurbriggen (lacht). Sport ist meine Leidenschaft. Sport gibt mir Ausgleich. Wenn ich raus kann in die Natur, joggen oder velofahren, ist das wunderschön.

Haben Sie ihr Handy mit, wenn Sie Joggen gehen?
Ja. Ich nehme jedoch Anrufe nicht entgegen. Aber es gibt so wunderbare Apps zum Joggen...

An ihrer ersten Pressekonferenz haben sie viel von persönlichem Ausgleich gesprochen. Haben Sie ihre Ziele erreicht?
Klar wünschte ich mir, mehr Zeit für Hobbies oder die Familie zu haben. Die Zeit, die ich für mich brauche, zum Beispiel für Sport, plane ich aber ein und ziehe das wenn immer möglich durch. Das gilt auch für den Schlaf. Mit fünf Stunden Schlaf funktioniere ich nicht. Wenn ich genügend Schlaf habe, dann geht es mir gut und ich kann auch Spannungen aushalten.

Wie viel schlafen sie denn?
Wenn ich fit sein will, brauche ich sieben oder siebeneinhalb Stunden Schlaf. Das habe ich natürlich nicht immer, aber das wäre ideal.

Im April werden sie wieder an der Patrouille de Glacier teilnehmen. Das Letze Mal waren Sie im selben Team wie Carsten Schloter. Was haben sie da für ein Gefühl?
Am Start werden die Erinnerungen hochkommen. Wir werden sicher an Carsten Schloter denken. Wenn man erstmals läuft, vergisst man das dann aber auch.

Sind sie mit 53 nicht langsam zu alt für solche Extremtouren?
Das Interessante ist doch: Wenn sie regelmässig Sport machen, können sie relativ lange ein vernünftiges Niveau halten. Aber wir werden schon nicht an der Spitze sein...

Wie oft werden sie noch teilnehmen?
Sicher nicht unendlich viele Male. Aber weiterhin Sport machen will ich schon.

Wie gefällt ihnen ihr Chefposten bei der Swisscom?
Das Spannende ist, dass man gestalten kann im Herz der digitalen Welt und dass sich alles immer verändert. Das fasziniert mich und macht den Job interessant. Zudem sehe ich in neue Bereiche hinein wie etwa in den Finanzmarkt.

Wie viel Impulse bringt ihr Verwaltungsrats-Präsident Hansueli Loosli? Ihm wird ein sehr aktiver Stil nachgesagt.
Es wird oft geschrieben, dass er überall reinredet. Das kann ich nicht nachvollziehen. Er interessiert sich für das Geschäft, ist ein guter Sparringpartner auch für mich. Das schätze ich sehr.

Carsten Schloter wurde oft als Visionär beschrieben. Sie gelten eher als der Ingenieurs-Typ. Wie sehen sie sich selber?
Ich glaube schon, dass ich ein Verständnis für den Markt habe und wohin er geht. Wir haben eine klare Vision und Strategie. Man hat natürlich immer ein Image, das einem nachgesagt wird.

Die Bilanz hat geschrieben, dass unter ihnen Impulse fehlten...
Da müssten sie eigentlich meine engen Mitarbeiter fragen. Ich führe nicht so, dass ich am Morgen in die Firma komme und sage: Jetzt wird das so und so gemacht. Wir haben 20'000 intelligente Leute im Unternehmen. Meine Aufgabe ist es, ein Umfeld zu schaffen, in dem diese frei arbeiten können. Das gibt dem Unternehmen Kraft. Klar muss ich wichtige Entscheidungen treffen. Das ist meine Aufgabe. Aber in den einzelnen Themen muss man auch Freiheiten lassen. Das macht ein Unternehmen schneller und erfolgreicher am Markt.

Sie delegieren also mehr als Carsten Schloter?
Das ist mein Ziel. Die Swisscom muss dezentraler werden. Das Geschäft wird jeden Tag breiter. Man kann als Einzelner nicht in jedem Bereich ein Topprofi sein.

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