Stau bringt VBZ in Bredouille

Von Stefan Ehrbar


Samstag, 17. Dezember 2016 23:30

Häufiges Bild in Zürich: Busse und Autos stecken im Stau fest. Foto: Keystone/Steffen Schmidt


Verkehrsbetriebe müssen alte Busse zukaufen, um den Fahrplan einzuhalten. Die Stadt gerät in Kritik.

Für Autofahrer ist Zürich ein hartes Pflaster. Die Baustelle für eine neue Tramverbindung über die Hardbrücke beeinträchtigt den Verkehr mehr, als dies im Vorfeld erwartet worden war – zumindest von den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ). Wegen der Baustelle kann der Fahrplan nicht mehr eingehalten werden. Vor einem Monat mussten die VBZ nun kurzfristig drei zusätzliche Busse einkaufen. Es handelt sich um Occassions-Gelenkbusse der Verkehrsbetriebe Zürcher Oberland und der Verkehrsbetriebe Glattal.

VBZ-Sprecherin Daniela Tobler bestätigt entsprechende Informationen. Wegen der Bauarbeiten komme es zu diversen Umstellungen, welche Stau und längere Fahrzeiten verursachten. Deshalb habe man mehr Fahrzeuge benötigt, als im Bestand seien. Die zum Teil bis 15 Jahre alten Busse wurden zum Schnäppchenpreis von insgesamt 70 000 Franken erworben.

Zum Notkauf führte insbesondere die verschlechterte Situation in der Hohlstrasse. Der städtischen Dienstabteilung Verkehr (DAV) ist das Problem bekannt. Die VBZ hätten zwar schon vor Baubeginn Mühe gehabt, dort den Fahrplan der Buslinie 31 einzuhalten. Wegen des Ausweichverkehrs habe sich die Situation aber verschärft. Das sei durch die Baustelle, aber auch durch die allgemeine Verkehrszunahme bedingt, sagt DAV-Sprecher Heiko Ciceri.

Eine Auswertung der «Schweiz am Sonntag» zeigt: Die Fahrdauer in der Hohlstrasse hat sich seit Beginn der Bauarbeiten in der abendlichen Rushhour zwischen 17 und 18.30 Uhr verdoppelt. In einer Woche im Oktober 2015 benötigten die Busse der Linie 31 durchschnittlich viereinhalb Minuten reine Fahrzeit für die gut zwei Kilometer zwischen Altstetten und Hardplatz. In der selben Woche im Jahr 2016 betrug dieser Wert 11 Minuten. Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 12 Kilometern pro Stunde. Auch zwischen dem Albisriederplatz und dem Bahnhof Hardbrücke ist der Baustellen-Effekt deutlich: Das Durchschnitts-Tempo in der Abendspitze sank zwischen zwei vergleichbaren Oktoberwochen im Jahr 2015 und 2016 von 13 auf 8 Kilometer pro Stunde. Die Analyse von Daten einer normalen November-Woche bestätigt das Bild. Für die Auswertung auf Basis des VBZ-Open-Data-Portal wurden über 400 Busfahrten berücksichtigt.

«Ein Schlamassel»
Die Baustelle sorgt für Ärger. In der Schweiz würden bei Arbeiten an stark befahrenen Strassen in der Regel nur Angebote berücksichtigt, welche die Kapazität nicht so stark beeinträchtigten, sagt SVP-Gemeinderat Christoph Marty. «Eine Variante, welche einen solchen Schlamassel zur Folge haben muss, hätte nicht angenommen werden dürfen», sagt er. Der Verkehr sei regelmässig kollabiert, und das nicht nur auf der Hardbrücke, sondern auch auf vielen Strassen der direkten Umgebung bis zum Ende der A1 an der Stadtgrenze. FDP-Gemeinderätin Ursula Uttinger sagt, es sei spürbar, dass die DAV immer wieder versuche, Lösungen zu finden – aber die hätten leider öfter nicht das erhoffte Resultat, auch wegen der beschränkten Räume.

DAV-Sprecher Heiko Ciceri sagt, die Verkehrssituation entspreche den Erwartungen. Man halte am Konzept fest. In Anbetracht der Örtlichkeit und der Verkehrsströme laufe das System zufriedenstellend. Allerdings läuft das Verkehrssystem der Stadt schon seit Jahren am Kapazitätsmaximum, wie die DAV im Juli mitteilte. «Wir rechnen damit, dass sich daran in den kommenden Jahren wenig ändern wird», sagte Martin Guggi von der DAV damals.

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